Zum Verein
In Stuttgart brodelt es momentan gewaltig. Die ruhigen, bescheidenen Schwaben sind angepisst. Das liegt zum einen am gewaltigen Bahnhofsprojekt Stuttgart 21, aber auch an ihrem VfB. Mit Horst Heldt ist der Architekt der letztjährigen Erfolge von Bord gegangen. Pikanterweise zog es den Rheinländer zu seinem Ziehvater Felix Magath. VfB-Ikone Fredi Bobic soll ihn auf dem Posten des Sportdirektors nun beerben.
Letzte Saison belegte man nach einer furiosen Aufholjagd immerhin noch Platz 6 und konnten sich für die Europa-League qualifizieren. 2009 war man gar Dritter, auch da spielte man eine schwache Vorrunde und startete in der Rückrunde fulminant durch. Schaut man sich den diesjährigen Saisonstart an, scheint das Motto: „Same procedure than every year“ zu bewahrheiten.
Wer kommt, wer geht
Same Khedira, Jens Lehmann, Roberto Hilbert und Aliksander Hleb haben den Verein verlassen. Alle vier waren Leistungsträger, besonders der Verlust von Khedira wiegt schwer. Aber auch Fußball- Methusalem Lehmann wird zumindest sportlich vermisst werden. Der Neu-Madrilene konnte von Neuzugang Christian Gentner (aus Wolfsburg) in den ersten Spielen der Saison noch nicht gleichwertig ersetzt werden. Des Weiteren ist Talent Rudy kurz vor Transferschluss für 4 Millionen nach Hoffenheim verkauft worden. Neben Gentner wechselte Dauerreservist Philipp Degen (aus Liverpool), der eher unbekannte Offensiv-Allrounder Johan Audel und für den Sturm Martin Harnik an den Neckar. Der Saisonstart der Canstätter verlief holprig, sodass der neue Teammanager Fredi Bobic noch schnell einen alternden Weltmeister von 2006 aus dem Hut zauberte. Mauro Camoranesi soll auf der rechten Außenbahn für mehr Schwung sorgen, ob der 33-jährige, dessen Leistungen in den letzten zwei Jahren weniger ansprechend waren, noch dazu im Stande ist muss bezweifelt werden.
Stärken & Schwächen
In der Rückrunde präsentierte sich der VfB sehr spielstark. Stürmerstar Cacau traf wie er wollte, Khedira ordnete mit Träsch im zentralen Mittelfeld das Spiel. Auch Marica konnte endlich die Erwartungen erfüllen und hatte eine gute Rückserie. Besonders das Konterspiel war sehr ansehnlich und dürfte durch die Sommerpause nicht völlig verlernt worden sein. Kapitän und Abwehrchef Delpierre hält die Abwehr zusammen, ist „Herr der Lüfte“ und verfügt über ein ausgezeichnetes Stellungsspiel. Wenn Delpierre (wie aktuell) allerdings ausfällt, mutiert die Abwehr zu einem planlosen Durcheinander. Der (angeblich) talentierte Niedermeier ist noch kein gleichwertiger Ersatz. WM-Tourist Serdar Tasci ist von seiner Bestform auch noch ein gutes Stück entfernt. Spielerisch waren die ersten Wochen der neuen Saison recht mau, Indiz dafür sind die klaren Niederlagen gegen Mainz und Dortmund. Sollte der junge Timo Gebhardt lernen den Ball auch mal abzuspielen und Mauro Camoranesi seinen x.ten Frühling erleben dürfte das spielerisch wieder was werden!
Trainer & Umfeld
Der ruhige Schweizer Christian Groß ist ein ausgewiesener Fachmann auf der Trainerbank, wahrscheinlich genau der richtige Mann für dieses junge Team. Für den VfB kann man nur hoffen, dass Bobic ein besserer Sportmanager als Rapper ist. In beiden Bereichen hat er nicht viel vorzuweisen, die Posse um Mladen Petric wirft nicht das beste Licht auf ihn. Eventuell wären spontane Freestyles in der Kabine jedoch äußerst förderlich für innere Betriebsklima. Allerdings wird er am Camoranesi-Deal gemessen, man wird sehen ob das nun ein unüberlegter Schnellschuss oder doch ein Transfer mit Sachverstand war.
Prognose
Wie die Schwaben so sind, geizen sie mit Transferausgaben. Der Transferüberschuss (14 Millionen für Khedira, 4 für Rudy) wurde in nur geringem Maße reinvestiert. Vermutlich möchte man mit dem Gewinn ein paar Altlasten abtragen. In den letzten Jahren hat der VfB aus seinen Möglichkeiten oft das Optimum rausgeholt und ist zum Dauergast in den europäischen Wettbewerben geworden. Das Ziel Europa-League zu erreichen wird schwer zu erreichen sein, da die Konkurrenz mächtig aufgerüstet hat. Aber auch schon letzte Saison haben sie alle Kritiker verstummen lassen und nach einer fürchterlichen Vorrunde (Platz 15) noch Platz 6 geschafft. Die Mannschaft ist eine Wundertüte, Platz 5 ist drin, aber sogar auch der Abstiegskampf!

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