Sonntag, 29. August 2010

Kopfballtraining mit Jessica Kastrop

Die nicht unbedingt allseits beliebte Sky-Moderatorin stoppt eine Flanke per Hinterdeetz. Fredi Bobic erschrickt dabei ein wenig.

Montag, 23. August 2010

Analyse: Borussia Dortmund


Der Verein
Was ist Schwarz-Gelb, denkt von sich selbst, es sei das Beste, was Deutschland passieren könne und hat eine stinkende Anhängerschaft? – Die Bundesregierung.
Puh, nochmal Glück gehabt dass die kein Fußball spielen! Die Borussia aus Dortmund dagegen schon. Nachdem man die High Roller Niebaum/Meier 2005 entsorgt hat, blieben etwa €100 Mio. Schulden und die Erinnerung an erfolgreiche Zeiten. Für den Verein mit dem höchsten Zuschauerschnitt Europas (~77.000 letze Saison) eine entbehrungsreiche Phase. Mit der gelungenen Euroleague-Qualifikation für diese Spielzeit ist man zwar nicht da, wo man sich gerne sähe, aber das Licht am Tunnelende leuchtet doch schon erheblich heller.   

Wer kommt, wer geht
Dortmund hat sich zwar nicht umfassend, dafür aber gezielt verstärkt: Zunächst einmal hat man den tapfer rackernden, aber ungefährlichen Valdez aus dem Kader komplimentiert und dafür 3 aussichtsreiche Offensivkräfte geholt. Lewandowski für den Sturm, Kagawa fürs Mittelfeld und den 18jährigen Mario Götze für irgendwie dazwischen. Dabei darf man auf die letzten beiden enorm gespannt sein. Kagawa war während der Vorbereitung und beim Euroleague-Auftakt der auffälligste Akteur und schickt sich an, bald als Synonym für das Wort „Schnäppchen“ verwendet zu werden. Götze kommt aus der eigenen Jugend und soll hierzulande das größte Sturmtalent seiner Altersklasse sein. Man munkelt, sogar der Bundesjogi habe schon ein Auge auf ihn geworfen.
Ohne Komplimente getrennt hat man sich zudem noch vom alternden Tinga und arbeitet zur Zeit am Abschied von Tamas Hajnal und Florian Kringe. Was letzterem nicht gelungen ist, soll Lukasz Piszczek (hier wird eine schnellstmögliche Teilnahme am Spitznamen-Seminar seines Landsmanns „Kuba“ nahegelegt) verrichten: Die Verkörperung einer einwechselbaren Alternative für die Außenverteidigerposition.

Stärken & Schwächen
Die Borussia hat einen aussichtsreichen Kader, dem allerdings seine Jugend zum Verhängnis werden könnte. Hummels & Subotic sind Innenverteidiger der neuen Generation und bringen neben Technik und Spielverständnis auch eine gehörige Portion Torgefährlichkeit mit. Nuri Sahin hat letzte Saison überragend das Mittelfeld geordnet – und das mit gerade einmal 20(!) Jahren. Neben ihm könnte Kehl agieren – was aber angesichts dessen Verletzungsleidenschaft eher unwahrscheinlich ist. Und für die Kreativabteilung sind vorerst „Kuba“, Kagawa, Zidan und Kevin Großkreutz (von Kathrin Müller-Hodenstein* übrigens auch liebevoll „Großkopf“ genannt) zuständig. Vorne netzt dann der nimmersatte Barrios ein.
Vom Potential her klingt das alles, wie gesagt, vielversprechend, kann aber angesichts der Jugend zu Problemen mit der Konstanz und Unerfahrenheit im Umgang mit Drucksituationen führen.

Trainer & Umfeld
Dass der Fernseh-Sympathikus Jürgen Klopp etwas von Fußball und Didaktik versteht, durfte die geneigte WM-Zuseherin anno 2006 erfahren. Seit 2008 wissen das auch die Dortmunder Fans. Im ersten Jahr noch knapp am internationalen Geschäft vorbeigeschrammt, darf er nun aus den entlegensten Winkeln Europas sein freundlich-debiles Grinsen in die Kameras pressen. Vorerst nur an ausgewiesenen Donnerstagen, aber immerhin. Die 76.500 Zuhause gebliebenen Fans wird’s freuen.  Denn so lässt es sich mit Sicherheit leichter vergessen, dass die sportliche Leitung in Dortmund in den Händen eines Mannes liegt, der von allen nur „Susi“ gerufen wird.

Prognose
Ich habe die Dortmunder für diese Spielzeit als Überraschungskandidaten auf dem Zettel. Der Trainer scheint sowohl mit der Mannschaft, als auch mit den Fans einen guten Umgang gefunden zu haben, der es ihm erlaubt, die Erwartungshaltung soweit zu dämpfen , dass er in Ruhe arbeiten kann. Es müsste schon allerhand schieflaufen, damit von den Tribünen „Trainer raus“-Rufe erschallen. Sollte dazu der Kader weitgehend von Verletzungen verschont bleiben, kann ich mir sogar einen Ausrutscher unter die ersten Drei vorstellen. Ansonsten ist Platz 6 ein realistisches und machbares Ziel.  

 








*wird, für den Fall, dass sie in Zukunft je wieder erwähnt wird, nur noch mit KMH betitelt

Freitag, 20. August 2010

Analyse: Eintracht Frankfurt


Der Verein
Ach ja, die Eintracht. Dort beheimatet, wo Bulle und Bär sich Gute Nacht sagen, hat die sogenannte Diva einen ereignisreichen Weg hinter sich gebracht. Zu Beginn der 90er noch ein Jemand, dann lange Jahre ein Niemand und heute wenigstens wieder ein Irgendwer. Nachdem man die letzten Jahre häufig um den Klassenerhalt gespielt hat, konnte sich die Eintracht in der letzten Saison im gesicherten Bundesligamittelfeld etablieren. Zumindest scheint es so.

Wer kommt, wer geht
Was richtig Spektakuläres war bei der Eintracht in dieser Transferperiode nicht dabei. Der Kapitän Christoph Spycher hat die Frankfurter Richtung Bern verlassen, für seine Position hat man den Griechen Tzavellas geholt. Markus Pröll hat dem Club auch den Rücken gekehrt. Nach einem 7 Jahre währenden Kampf gegen den Methusalem Nikolov um den Platz im Tor sucht er wohl die berühmte „neue Herausforderung“. Ob diese im fußballerischen Bereich liegt, lies er allerdings offen. Liberopoulus verabschiedet sich ebenfalls, aber keine Sorge: für den Ouzo-Nachschub ist gesorgt - Theofanis Gekas sagt „Hellas“. Und schließlich geht noch Selim Teber. Seine Lücke soll der gehypte Sebastian Rode stopfen, ein 19jähriger Neuzugang von den Nachbarn aus Offenbach. A propos Neuzugang, als solchen kann man wohl getrost auch Ioannis Amanatidis einstufen. Nachdem sein Vorsprechen für eine Rolle bei den Passionsspielen in Oberammergau nicht geglückt ist, will er es doch nochmal mit dem Fußball versuchen.

Stärken & Schwächen
Hinten ist Frankfurt ganz solide besetzt. Der filigrane Feingeist Maik Franz dirigiert nach einem Jahr schon lautstark herum – alleine beim Hören seiner Stimme dreht so mancher Stürmer schon verschüchtert ab. Im Mittelfeld sorgen Ochs und Köhler für Stabilität (wobei ich mich schon lange frage, wie Köhler es schafft, neben dem Fußball sein Musiklabel ‚ersguterjunge‘, die zahlreichen PR-Auftritte bei Maischberger, Raab, the Dome, das Drehen eines Films, usw. unter einen Hut zu bringen), während Caio, Meier, Korkmaz und ab jetzt vielleicht auch Rode nach vorne Dampf machen. Schlecht ist das nicht, aber besser als Mittelmaß leider auch nicht.
Vorne drückt dafür ein wenig der Schuh. Weder Altintop, noch Fenin haben so eingeschlagen, wie man es sich erhofft hat. Dass Gekas noch einmal mehr als 7 Tore in einer Saison macht, bezweifle ich persönlich ja stark und bei Amanatidis muss man mittlerweile befürchten, dass er bei seinen Einsätzen nur noch mit Holzkreuz auf dem Rücken aufläuft.

Trainer & Umfeld
Michael Skibbe hat bisher einen guten Job gemacht. Nach dem grottigen Gekicke unter Vorgänger Funkel spielt die Eintracht jetzt zuweilen ansehnlich nach vorne. Und trotz einiger verbaler Kabbeleien mit dem Vorstandsvorsitzenden Bruchhagen ist das Verhältnis im Großen und Ganzen in Ordnung.
Etwas problematisch könnte es mit der Erwartungshaltung der Anhänger werden, denn die sehen sich zu Teilen jetzt schon auf einem Tabellenplatz, der zum internationalen Spielbetrieb berechtigt. Wenn am Ende dann nur Platz 9 rausspringt, kann das leicht zu Verstimmungen führen. Mehr …

Prognose
… ist für die Eintracht aber leider nicht drin. Der Kader ist gut genug, um sich von den Abstiegsplätzen fernzuhalten, reicht aber nicht aus um 34 Spieltage lang oben mitzumischen. Ich sage am Ende wird’s Platz 9 bis 12.  


Analyse: FC Bayern


Zum Verein
Wer liebt ihn nicht, den FC Hollywood. Was wäre der deutsche Fußball ohne den Rekordmeister? Was wäre die Medienlandschaft Deutschlands ohne die glorreichen Sprüche eines Uli Hoeneß? Wie dem hier, mit dem der Bayern-Präse das besondere Verhältnis zu seinem Verein auf den Punkt bringt: „Ein Uli Hoeneß lässt den FC Bayern nie im Stich. Und wenn irgendein Problem entsteht, würde ich zur Not hier sogar ein halbes Jahr den Platzwart machen.“ Oder die durch charakteristisch-süffisante Lachpausen unterlegten Kommentare des Kaisers? Was wäre die deutsche Esskultur ohne den just bei McDonald’s eingeführten „Nürnburger“ aus Hoeneß‘ Wurstfabrik? Dennis hat den Wurst-Burger-Zwitter jüngst degustiert und war hellauf begeistert. Sicher, dass dieses tolle Ding einen spektakulären Siegeszug um die Welt herum antreten wird. Oder was wäre die letzte Bundesligasaison ohne die märchenhafte Wandlung des grimmig-unsympathischen Holländers Louis van Gaal zum von den Massen geliebten Feierbiest? Keine Frage, der FC Bayern macht, auch wenn man kein Fan ist, einfach Spaß und ist für die deutsche Fußball- und Medienwelt unersetzlich.

Wer kommt, wer geht
Hoeneß brachte die grobe Richtlinie der Transferpolitik der Bayern einmal folgendermaßen auf den Punkt: "Die Wahnsinnspreise zahlen wir sicherlich nicht, aber die mittleren Wahnsinnspreise könnte ich mir schon vorstellen." Nach großen Investitionen letztes Jahr, wurden diesmal nicht einmal die kleinen Wahnsinnspreise gezahlt. Stattdessen lautete die Devise wie so häufig nach einer Meisterschaftssaison bei den Münchnern: Konsolidieren bzw. warum was tun, wenn die letzte Saison doch erfolgreich war? Einzig Toni Kroos ist ein Zugang mit Stammkraftpotenzial, der nach einer brillanten Spielzeit bei Bayer Leverkusen wieder zu den Bayern zurückkehren durfte. Hinzu kommen die ebenfalls nach Leihgeschäft heimgekehrten, aber wohl für die zweite Reihe gedachten, Breno und Andreas Ottl.
Und bei den Abgängen? Da gibt's nichts Schmerzhaftes zu vermelden. Ganz im Gegenteil. Der Abwanderung von Christian Lell weint wohl niemand in München auch nur eine Träne nach. Zumal man sich mit der Abschiebung gar einen Skandal vom Hals gehalten hat. Soll sich doch der doppelt coole Michi Ballack auf noch unbekannte Art und Weise in das Lellsche Privatleben eingemischt haben. Der noch unter Klinsmann als Stammkraft agierende Außenverteidiger dazu: “Meine privaten Probleme hatten auch mit Michael Ballack zu tun. Darüber wird ja schon getuschelt. Michael hat seinen Anteil daran, dass es mir monatelang schwer fiel, wieder in die Spur zu finden. Sein Verhalten ist mit nichts zu entschuldigen. Michael hat den Bogen überspannt und hat sich alles andere als vorbildlich verhalten.” Gemunkelt wird, dass sich Ballack bei Ex-Chelsea-Kollege John Terry zwar (glücklicherweise) nichts auf dem Fußballplatz, dafür aber Einiges im zwischenmenschlichen Bereich abgeschaut und in fremden Gewässern gefischt hat. Aber das Thema gehört jetzt nach Berlin bzw. Leverkusen. Wieder in Medias Res. Nun gut, viel gibt’s bei den Transfers aber eigentlich auch nicht mehr zu sagen. Ach ja, Luca Toni ist nach der Leihe vergangene Saison nun auch offiziell abwandert. Zurück in Bella Italia schraubt er kommende Saison für den FC Genua an seinem Ohr.

Stärken & Schwächen
Bayern hat alle Leistungsträger aus der bombastischen vergangenen Saison gehalten. Der FCB hat mit Toni Kroos einen der stärksten jungen deutschen Spieler dazu bekommen. Das Double wurde letzte Saison geholt und das Champions League-Finale erreicht. Demnach gibt es vorwiegend einen Faktor, der die Bayerndominanz brechen kann. Ein verletzter oder schlecht spielender Arjen Robben. Da Letzteres eher unwahrscheinlich ist, ist die Verletzungsfrage gerade sogar aktuell. Die ersten Spiele müssen die Bayern ohne den Holländer auskommen. Um die Verletzungsanfälligkeit des Flügelspielers wusste man beim FC Bayern bereits vor der Verpflichtung, aber dieses Risiko sind die Verantwortlichen, vor dem Hintergrund der Robben-Leistungen vergangene Saison, völlig zu Recht eingegangen. Die Chancen, den Ausfall zu kompensieren, stehen diese Saison gut wie nie. Mit Kroos und Hamit Altintop lechzen gleich zwei starke Spieler nach ihrer Startelf-Chance auf der rechten Seite. Vielleicht könnte Kroos, als angenehme Abwechslung zum Links spielenden Franck Ribéry dann mit seinen Zuckerpässen und präzisen Flanken sogar mal dafür sorgen, dass der etatmäßige Mittelstürmer etwas besser ins Bayernspiel eingebunden wird, als dies in der Vorsaison der Fall war. Mit Olic, Klose und Gomez verfügt man in München über drei vom Potential her großartige Stürmer. Auch Thomas Müller könnte durchaus im Laufe der Saison als Mittelstürmer eingesetzt werden, wenn Ribéry, Kroos und Robben dann irgendwann gemeinsam auf dem Platz stehen. Wer sich letztlich durchsetzt, im Kampf um den Platz im Sturmzentrum, ist schwer zu sagen. Olic wird sich in jedem Fall wieder extrem reinhängen und hat bei van Gaal aufgrund der Vorsaison einen gewissen Bonus.

Trainer & Umfeld
Was Louis van Gaal in der letzten Saison nach der durch Klinsmann verkorksten und Heynckes doch noch geretteten Vorsaison erreicht hat, wird ihm so schnell sicherlich keiner vergessen. Der gladiolenbesessene Erfolgscoach hat es auch vermocht, der Jugend erfolgreich eine Chance zu geben, was er diese Saison mit dem frühen Bekenntnis zu Diego Contento als linkem Verteidiger fortzusetzen scheint. Man darf gespannt sein, wen er diese Saison aus dem Hut zaubert. Van Gaal sitzt selbstverständlich fest im Sattel.
Ein leichter aus der Ruhe zu bringendes Umfeld als in München ist schwer vorzustellen. Aber das macht eigentlich allen Beteiligten einen Riesenspaß.


Prognose
Der FCB ist der absolute Meisterschaftsfavorit. Man ist noch stärker aufgestellt als in der vergangenen Saison. Die Abwehr scheint wieder die einzige potentielle Schwachstelle zu sein. Bleibt zu sehen, wie Diego Contento in die Rolle des Linksverteidigers reinwächst und wer sich in der Innenverteidigung durchsetzt. Auch ein Robben-Ausfall kann diese Saison relativ gut wett gemacht werden, so dass eigentlich nichts gegen ein Double und gar ein weiteres Champions League-Finale spricht. Für das internationale Parkett ist aber vor allem in der fortgeschrittenen Phase des Wettbewerbs ein fitter Arjen Robben von Nöten. Insgesamt steht uns wieder eine Saison bevor, in der die Bayern die Bundesliga weitestgehend dominieren werden. Und wenn die spielerische Überlegenheit phasenweise nicht erdrückend ist, kommen halt die Dusel-Bayern zurück.

Donnerstag, 19. August 2010

Analyse: Schalke 04

Der Verein
„Wir schießen so wenig Tore, vielleicht heißen wir deshalb auch die Knappen“, sinnierte der Gelsenkirchener Wortspielakrobat Manuel Neuer einst vor sich hin und gewann damit die Auszeichnung zum Fußballspruch des Jahres 2009. Möglich. Vielleicht aber auch deshalb, weil sie wie kein Zweiter das Talent besitzen, immer dann an der Ziellinie vorbeizuschrammen, wenn sie schon fast wie der sichere Sieger aussehen.
Auf Schalke sind die Ambitionen groß. So hat man in den letzten Jahren viele Spieler geholt, deren Verträge man nach diesen Ambitionen ausgerichtet hat, und dabei großspurig ignoriert, dass sich bei den übrigen 17 Bundesligisten dagegen die Bezahlung nach der erbrachten Leistung richtet. Überraschenderweise musste man dann zu Beginn der vergangenen Saison „Liquiditätsprobleme“ einräumen. Ups. Egal. Die Erwartungen an den (nach bewährtem Muster mit geschätzten 5 Mio. € Nettogehalt verpflichteten) Trainermessias Magath sind überschaubar und unzweideutig: die Meisterschaft!

Wer kommt, wer geht
Ein wenig ausgemistet hat Magath schon: Die Anzahl der Abgänge beläuft sich laut transfermarkt.de auf 23 Stück. Exakt die Zahl, die sich van Gaal für diese Saison als optimale Kadergröße vorstellt. Darunter einige Leistungsträger der vergangenen Spielzeit wie Kuranyi, Westermann, Bordon, Rafinha.
Dafür, dass die Geschassten angeblich zu teuer gewesen wären, hat sich der Coach nicht den günstigsten Ersatz geholt. Sowohl Raul als auch Metzelder werden nicht gerade für nen Appel und n‘ Ei auflaufen. Der Rest sollte ganz erschwinglich sein: Hoogland, Jendrisek, Uchida und Escudero. Die ersten beiden haben mit Sicherheit Bundesligaformat, wobei die Konkurrenz für Jendrisek groß ist; Uchida konnte in der Vorbereitung überzeugen und Escudero hat sich zumindest in der ersten Pokalrunde keinen nennenswerten Patzer geleistet.
Mindestens eine große Verpflichtung für die Offensive soll laut Magath aber noch kommen. Da heute über die Ticker läuft, dass der Wolfsburg – Diego Deal geplatzt ist, wird diese wohl nicht „Misimovic“ heißen. Es bleibt abzuwarten, wen Magath und Heldt da noch aus dem Hut zaubern.


Stärken & Schwächen
Das Tor ist mit Neuer erstklassig besetzt, in der Innenverteidigung geht Magath auf Risiko. Höwedes und Metzelder sind noch nicht eingespielt, dazu datieren Metzes letzte vorzeigbare Leistungen von der WM 2006. Das defensive Mittelfeld ist mit Jones, Kluge, und ab jetzt wohl auch Rakitic recht gut aufgestellt, dahinter lauert noch Matip. Über die Außen sollen Farfan, Hao und eventuell Baumjohann Druck machen. Raul übernimmt die Sturmspitze und wird flankiert von Edu, oder dem noch unbekannten Neuzugang. Eine entscheidende Frage wird sein, auf welchem Niveau Raul agiert sobald der Ligabetrieb läuft. Der Ligacup war verheißungsvoll, aber keine Messlatte für den Bundes- und Champions League-Wettbewerb.
Der erste Anzug ist definitiv konkurrenzfähig, hinzu kommt, dass Magath immer dafür gut ist, einen jungen Nachwuchsspieler aus dem Hut zu zaubern, der auf Anhieb überzeugen kann (siehe Schmitz, Moritz, Matip). Das Wehklagen über einen fehlenden Offensivakteur erscheint mir eher ein wenig Säbelrasseln im Hinblick auf die Champions League zu sein. Denn das magathsche Spielsystem der letzten Jahre war immer eher auf überfallartiges Kontern angelegt, als auf viel Ballbesitz und eigene Spielgestaltung.


Trainer & Umfeld
Der Name Magath ist mittlerweile zu einer Marke geworden, die sich dadurch auszeichnet, das Maximum aus einem Team zu rauszuholen. Dazu hat er sich im Managementbereich mit seinem alten Spezi Horst Heldt verstärkt, der die Augen nach möglichen Verstärkungen offenhalten soll.
Die Schalker Fans erwarten dieses Jahr nichts geringeres als den Titel, was die Gefahr birgt, dass es sehr schnell sehr unruhig werden könnte, wenn es nicht läuft, wie gewünscht. Alle, im Verein und drum herum, scharren schon mit den Hufen. Das wird ein konzentriertes und abgeschottetes Arbeiten, wie Magath es in Wolfsburg praktizieren konnte, nicht möglich machen.


Prognose
Schalke ist Titelkandidat. Das liegt zu 40% am Team, zu 60% am Trainer. Am Ende reicht es aber leider nur höchstens zu Platz 2.

Analyse: 1. FC Nürnberg


Zum Verein
Rostbratwurst oder Christkindlmarkt sind sicherlich überregional bekanntere und vor allem renommiertere Nürnberger Produkte als der örtliche Fußballverein. Verblüffend, dass der „Club“ bis 1987, als ihn der große FC Bayern ablöste, mit neun Titelgewinnen gar deutscher Rekordmeister war. Davon weiß heute kaum noch einer etwas. In der jüngeren Vergangenheit präsentierten sich die Franken schwach: 2007/08 standen sie Ende der Saison auf dem 16. Platz und stiegen ab. Dann 2008/09 der Wiederaufstieg. Vergangene Saison abermals Platz Numero 16 . Diesmal durfte statt eines direkten Abstiegs die Relegation gegen den FC Augsburg gespielt werden. Nürnberg gewann – und spielt diese Saison wieder in der höchsten deutschen Spielklasse mit.


Wer kommt, wer geht
Nürnberg stellt den Kader wieder nach ähnlichen Leitsätzen zusammen wie vergangene Saison. Die Devise lautet, Spieler mit Perspektive, die in ihren Vereinen keine Einsatzzeiten bekommen, auszuleihen. Die letzte Saison temporär akquirierten Mickaël Tavares, Eric-Maxim Choupo-Moting, Andreas Ottl und Breno verließen den FCN wieder. Stattdessen leiht man sich nun die Talente Mehmet Ekici von Bayern München und Julian Schieber vom VfB Stuttgart. Der Ösi mit pakistanischen Wurzeln und dem wohlklingenden Namen Rubin Rafael Okotie verstärkt den Nürnberger Kader zusätzlich und hat einen Vertrag bis 2013 erhalten. Nachdem er für Austria Wien in der Saison 2008/09 14 Treffer markierte, hatte der beidfüßige Okotie von Juli 2009 bis April 2010 mit einem Knorpelschaden im Knie zu kämpfen. Im DfB-Pokalspiel gegen die Trierer Eintracht konnte er wegen Trainingsrückstands noch nicht mitwirken. Mehr oder weniger mitgewirkt, hat dagegen der belgische Haudegen Timmy Simons, der ablösefrei aus Eindhoven geholt wurde. Spielerisch ist das sicher eine Schwächung im Vergleich zu Andreas Ottl auf der Sechser-Position. In Trier fehlte Simons jegliche Bindung zum Spiel (wie auch insgesamt dem Nürnberger Mittelfeld). Per Nilsson kam von der TSG und soll an der Seite von Andreas Wolf die Abwehr stabilisieren. In Hoffenheim kam der Schwede jedoch wenig zum Zug, schwierig zu sagen, ob er die erhoffte Verstärkung ist oder im Laufe der Saison von Dominic Maroh verdrängt wird.


Stärken & Schwächen
Stärken? Schwierig, welche auszumachen. Man kann in Mittelfranken nur darauf hoffen, dass die Neuzugänge einschlagen. Ekici ist technisch fein, aber noch jung und ohne Bundesligaerfahrung. Schon ein Unterschied, mal im DfB-Pokal den ein oder anderen Trierischen Rumpelfüßler aussteigen zu lassen oder einen Bundesligaspieler auszutricksen. Bei Okotie ist die Frage, wie er nach der langwierigen Verletzungspause in Tritt kommt und ob er verletzungsfrei bleibt. Julian Schieber hat bei Stuttgart gezeigt, dass er in der Bundesliga mithalten kann. Um dies auch in Nürnberg zu tun, muss er angemessen aus dem Mittelfeld mit Bällen beliefert werden. Da kommt dann der talentierte Deutschtürke Ilkay Gündogan ins Spiel. Von dem Techniker wird das Spiel nach Vorne abhängen. Ob Gündogan das leisten kann, bleibt abzuwarten. Allzu schwierig dürfte es für die neuen Stürmer nicht werden, die Leistungen der jüngeren Vergangenheit von Angelos Charisteas zu toppen. Aber ja, nun doch noch eine richtige Stärke: Rafael Schäfer ist einer der besseren Bundesliga-Torhüter.
Schwächen? Leicht, welche auszumachen. Die Abwehr der Nürnberger ist im Bundesligavergleich äußerst schwach besetzt. Andreas Wolf offenbart Mängel in der Spieleröffnung, Per Nilsson war bei Hoffenheim zwar Kapitän, aber von einem Stammplatz doch so weit entfernt wie Kevin Kuranyi von einem Platz im Nationalteam. Die Schwäche des Mittelfelds wurde schon angesprochen. Eventuell findet ja wirklich Ekici den Weg in die Mannschaft – als Antipode zum hölzernen Simons. Wenn Mike Frantz es schafft, konstanter seine Leistung zu bringen, ist auch er eine spielerische Bereicherung für das Spiel der „Clubberer“. Dies alles ändert nichts daran, dass das Mittelfeld der Franken zu den schwächsten der Liga gehört. Im Angriff können die Nürnberger nur hoffen, dass Bunjaku eine ähnlich gute Saison wie vergangenes Jahr erwischt – ist aber in Anbetracht der vorherigen Spielzeiten des Schweizers eher unwahrscheinlich. Christian Eigler und Isaac Boakye gehören zu den schlechteren Spielern in der Bundesliga und sollten in einer Erstligamannschaft im Normalfall keine Einsatzzeiten bekommen. Eigler gehörte vergangene Saison regelmäßig zum Stammpersonal, was weniger für die Qualität von Eigler, als vielmehr für das miese Niveau im Kader insgesamt spricht.


Trainer & Umfeld
Trainer Dieter Hecking kommt aus einer Stadt, wo es wohl niemanden von außerhalb hinzieht: Castrop-Rauxel. Irgendwie passt es da, dass er ausgerechnet bei einem Verein die Funktion des Übungsleiters ausfüllt, der genauso wenig Glamour versprüht wie die Stadt im Kreis Recklinghausen. Hecking wird es immens schwer haben, sich lange auf der Nürnberger Bank zu halten und ist ein heißer Kandidat für die erste Trainerentlassung. Etwas Druck könnte die geringe Erwartungshaltung nach vielen mageren Jahren von der Mannschaft nehmen: Niemand traut dem FCN mehr zu als den Klassenerhal

Prognose
Der 1.FC Nürnberg ist dieses Jahr ohne Frage eine der schwächsten Mannschaften in der Verlosung und einer der heißesten Abstiegskandidaten. Aufgrund der mangelnden Qualität in der Mannschaft werden es die Nürnberger immens schwer haben, die Klasse zu halten.

Mittwoch, 18. August 2010

Ein kleiner Vorgeschmack... Teil 2

Ein kleiner Vorgeschmack...

Analyse: Werder Bremen

Der Verein
Nicht nur sympathisch sind sie, die grünen und angeblich schlecht riechenden Fischköppe von der Weser, sondern auch noch erfolgreich: 6 Champions League-Teilnahmen aus den vergangenen 7 Spielzeiten stehen zu Buche – da kann auch der Ligaprimus Bayern mit keiner besseren Ausbeute aufwarten. Bemerkenswert ist, dass die Bremer nahezu jährlich mindestens einen ihrer Topspieler abgeben müssen und trotzdem konstant das Niveau wahren. Es scheint, als gelinge es dem Tandem Schaaf/Allofs nahezu mühelos, aus fast jedem hoffnungsvollen Talent einen gefragten Profi von internationalem Format zu machen.


Wer kommt, wer geht
Und rumms! – da ist es perfekt! Sarah Connors Schwager in spe und Teilzeit-Rap-Barde Mesut Özil wechselt zum spanischen Spitzen-, aber Champions League Mittelmaß-Klub Real Madrid. Damit verlieren die Werderaner – mal wieder – ihre Schlüsselpersonalie der letzten Saison. Des Weiteren verlassen auch der teure aber nie angekommene Carlos Alberto, der Fußball-Laiendarsteller Abdennour, Martin Harnik und Peter Niemeyer den Verein.
An Land geholt wurden dafür der fußballerisch einwandfreie, aber charakterlich schwierige Arnautovic und Felix Kroos, der aufgrund der nachgewiesenen Verwandtschaft zu seinem Bruder Toni seitens der Medien ein mittelgroßes Interesse genießt, zunächst aber wohl nur in der 2. Mannschaft auflaufen wird. Die ausgeliehenen Jurica Vranjes und Kevin Schindler kehren auch zurück.


Stärken & Schwächen
Das Klischee, das sich in den letzten Jahren in der kollektiven Wahrnehmung zu Werder Bremen festgesetzt hat, lautet: Nach vorne hui, nach hinten pfui! Beim Blick auf die Torverhältnisstatistiken scheint sich das zu bestätigen, ist aber nur die halbe Wahrheit. Mit Tim Wiese haben die Hansestädter einen absoluten Topmann zwischen den Pfosten. Er ist in den letzten 2 Jahren deutlich gereift und hat die Mätzchen früherer Tage ad acta gelegt. Mertesacker und Naldo bilden die wahrscheinlich beste Innenverteidigung der Liga. Nur auf den Außen gibt es seit Jahren hartnäckige Probleme. Ein gewisser Clemens Fritz soll z.B. mal deutscher Nationalspieler gewesen sein, aber vermutlich entspringt dieses Gerücht einem billigen Science-Fiction Roman.
Im Mittelfeld senst der Vorzeige-Proletarier Totti Frings immer noch alles um, was nicht schnell genug flüchten kann. Diese Methode verspricht auch in der kommenden Saison wieder erfolgreich zu sein. Nach vorne wird es aber spannend. In Mesut Özil fehlt der offensive Dreh- und Angelpunkt. In weiser Voraussicht hat man bereits letzte Saison Marko Marin verpflichtet. Dass der kleine Tempodribbler, der bisher vorwiegend über die Flügel kam, aber eine Position als Spielgestalter ausfüllen kann, bezweifle ich etwas. Entscheidend wird hier wohl sein, wie schnell Trainer Schaaf es schafft, dem egomanen Arnautovic klarzumachen, welches Verhalten sich für einen Österreicher im Profifußball geziemt.
Im Sturm ist Claudio Pizarro für die Bremer sowas wie die personifizierte Torgarantie. Ein gleichwertiger Partner ist aber nicht in Sicht: Markus Rosenberg hat seine Ungefährlichkeit zur Genüge unter Beweis gestellt, der Uefa-Hugo trägt seinen Spitznamen meistens zurecht, Aaron Hunt schafft es nicht, mal über 2 Monate konstant zu spielen und Sandro Wagner kennt man bisher eher für sein tänzerisches Talent.


Trainer & Umfeld
Thomas Schaaf, der dienstälteste Coach der Liga, sitzt wohl fest im Sattel. Bisher ist es ihm immer irgendwie gelungen, die Verluste zu kompensieren und Jahr für Jahr eine Mannschaft aufs Feld zu führen, die um attraktiven Fußball bemüht ist. Auch wenn mal eine Halbserie misslingt, kann er sich der Rückendeckung des Präsidiums und der meisten Fans sicher sein. Daran wird sich auch diesmal nichts ändern.

Prognose
Bremen wird auch dieses Jahr wieder um die Plätze ums internationale Geschäft mitmischen. Für die ersten drei wird es angesichts der Konkurrenz enorm schwer, daher läuft es wohl auf einen Euroleague-Platz hinaus.

Dienstag, 17. August 2010

Analyse: TSG 1899 Hoffenheim – Deutschlands größter Dorfverein



Der Verein

1899 Hoffenheim, von vielen Fußballfans aufgrund seines schwerreichen Mäzens Dietmar Hopp auch gerne als „Hoppenheim“ verunglimpft bietet seinen Erfolgfans nun schon zum dritten Mal das Abenteuer Fußball-Bundesliga an. Nachdem man vor zwei Saisons gar Herbstmeister wurde, konnte 1899 letzte Saison selten überzeugen. Ein solider Mittelfeldplatz sprang am Ende heraus, zu wenig für die Ansprüche von Hopp und ganz besonders Trainer Ralf Rangnick. Jedoch ist eine neue Nüchternheit im Kraichgau eingekehrt, vom internationalen Geschäft wird offiziell nicht mehr geträumt. Dennoch, ein neues hochmodernes Trainings-Zentrum und Milliardär Hopp in der Hinterhand lassen weiterhin auf eine glanzvolle Zukunft hoffen.



Wer kommt, wer geht

Die Transferperiode verlief bislang relativ ruhig. Man vertraut weiterhin den vielen Talenten im Kader, die bislang eine halbe herausragende, sowie 1 ½ mittelprächtige Saisons gespielt haben. Neuer Stammtorwart wird Tom Starke, der ablösefrei aus Duisburg gekommen ist. Des Weiteren konnte man Top-Talent Peniel Mlapa für 1,5 Millionen vom Zweitligisten 1860 München verpflichten. Rangnick fordert noch weitere Verpflichtungen, jedoch monierte Mäzen Hopp „Immer wenn wir an einen Verein herantreten, explodieren die Ablöseforderungen, das wollen wir nicht bezahlen“. Sebastian Rudy vom VfB Stuttgart soll noch kommen, ansonsten wird wohl bis zum 1. September nicht mehr viel passieren.

Aussortiert wurden dagegen Maicousel, Wellington, Nilsson und Zuculini. Keiner der genannten war in der letzten Saison Leistungsträger und so dürfte man gut gerüstet in die neue Spielzeit gehen. Verzockt hat sich ganz klar Timo Hildebrand. Der ehemalige Nationaltorwart wollte einen deutlich besser dotierten Vertrag, kokettierte mit einem Wechsel zum VfB oder Köln, befindet sich momentan allerdings weiter auf Vereinssuche. Auch ein Wechsel nach England kam bislang nicht zustande, jetzt steht er mit 31 Lenzen vor dem Scherbenhaufen seiner Laufbahn!



Stärken/ Schwächen

Nach wie vor verfügt 1899 über eine hoch veranlagte Truppe. Nationalspieler Andreas Beck (nun Kapitän) bildet die Abwehrkette mit Eichner, Compper und Simunic. Eine solide Reihe, gerade Beck hat noch Steigerungspotenzial. Torwart Starke spielte eine starke Runde in der zweiten Liga, in der Bundesliga konnte er sich bisher noch nicht durchsetzen. Im Mittelfeld läuft alles über Carlos Eduardo. Der Brasilianer spielte träge, einfallslos, unmotiviert. Dabei bringt er alles mit um ein internationaler Top-Spieler zu werden. Hopp und Rangnick können nur hoffen, dass er endlich über einen längeren Zeitaraum sein Potenzial abruft. Vorsah, Gustavo und der wieder genesene Weis sind Kandidaten für die beiden 6er Positionen und lassen Eduardo alle Freiheiten. Im Sturm sind mit Obasi, Ba und Ibisevic drei Top-Stürmer zugegen, die von Eduardo und Salihovic mit Bällen gefüttert werden sollen und an guten Tagen jede Abwehr schwindelig spielen.

In der letzten Saison funktionierte das Kombinationsspiel nicht besonders gut, auch die mangelnde professionelle Einstellung kostete einige Zähler. Viele Spieler offenbaren eine Söldner-Mentalität die nicht gerade förderlich für den Mannschaftszusammenhalt ist.

Außerdem hat Hoffenheim mit Vorsah, Compper und Simunic nur drei Bundesligataugliche Innenverteidiger im Kader, bei eventuellen Verletzungen wird es hinten reichlich dünn. Generell ist es unwahrscheinlich, dass Reservisten wie Ibertsberger, Gulde oder Tagoe der Mannschaft weiterhelfen könnten. In der breite ist die Mannschaft also nicht gut aufgestellt.


Trainer & Umfeld

Mit Dietmar Hopp steht und fällt nach wie vor alles. Sympathisch, das der mehrfache Milliardär das Scheckbuch in der Tasche lässt und nach wie vor auf talentierte Spieler setzt. Große Transfers á la Manchester City wären sicherlich möglich, man zeigt sich jedoch recht bescheiden im Badener-Land. Ralf Rangnick hat nach der verkorksten Saison eine weitere Chance erhalten, ein abermaliger Mittelfeldplatz dürfte aber auch seinen Vorstellungen nicht genügen. Manager Schindelmeister ist mittlerweile beurlaubt, so dass Hopp ihm freie Hand lässt.


Prognose

Hoffenheim ist eine Wundertüte. Ruft die Mannschaft ihr Potenzial ab, sind die internationalen Plätze durchaus drin. Das Pokalspiel in Rostock zeigte tolle Ansätze, was allen Verantwortlichen Mut machen sollte. Der ganz große Wurf wird ihnen meiner Meinung nach wieder nicht gelingen, so dass man sich mit einem Platz zwischen 8 und 12 begnügen muss. Das Ziel sich in der Bundesliga zu etablieren wird so sicherlich eingehalten.





Analyse: FC St. Pauli –Das Ende des Klassenkampfes



Der Verein

Sie sind wieder zurück, die Piraten, das „Freudenhaus der Liga“, der etwas andere Profiverein. Die letzen Jahre waren ein auf und ab für die Kiez-Kicker, zwischen 2003 und 2007 spielte man sogar in der Regionalliga.Trainer Holger Stanislawski hat in den letzten Jahren mit geringen Mitteln eine leidenschaftlich kämpfende und enorm offensivstarke Mannschaft zusammengestellt (72 Tore in der Aufstiegssaison). Nicht nur auf dem Platz läuft es, auch neben dem Platz hat man ambitionierte Ziele. Das altehrwürdige Millerntor-Stadion wird auf 27.500 Plätze ausgebaut (inklusive Business-Seats *g*), um auch langfristig dem Profi-Fußball erhalten zu bleiben. Professionelle Strukturen herrschen seit Jahren schon im Bereich Marketing. Der Verein versteht es wie kein Zweiter sich als Kult zu verkaufen, große strukturelle Differenzen zu anderen „kleineren“ Bundesligisten sind kaum noch zu erkennen. Dennoch der Touch des „Underdogs“ bleibt dem Stadtteilverein noch immer erhalten.


Wer kommt, wer geht

St. Pauli hat seine „Aufstieghelden“ beisammen halten können. Stanislawski wird auch in der neuen Saison auf sie setzen, lediglich Torwart Kessler soll auf Stammkeeper Hain Druck ausüben, sowie Ex-Nationalspieler Gerald Asamoah das Offensivspiel bereichern. Beide sind allerdings momentan verletzt, so dass mit Carlos Zambrano (geliehen vom S04) wahrscheinlich nur ein Neuzugang am ersten Spieltag in Freiburg in der Startformation stehen wird.


Stärken/Schwächen
Letzte Saison zogen die Paulianer meist ein wahres Offensiv-Feuerwerk auf. Bruns, Kruse, Lehmann, Takyi, Hennings und Naki trafen alle fast zweistellig. Dazu Goalgetter Marius Ebbers, der 20 Saisontore erzielen konnte. Jeder Angreifer hat seine Qualitäten vor dem Tor zeigen können, ob dies in der „belle étage“ des deutschen Fußballs ähnlich laufen wird ist zweifelhaft. Die Defensive wackelte schon in Liga zwei das ein oder andere Mal, so dass die Bundesligatauglich der Defensive fragwürdig zu erachten ist. Ob der junge Zambrano hier Abhilfe leisten kann wird man sehen. Die Pokalniederlage beim Viertligisten Chemnitz lässt schlimmstes erahnen. Über große Bundesliga Erfahrung verfügt die Mannschaft nicht, lediglich Haudegen und Torwart Matthias Hain kann einiges in die Wagschale werfen. Top-Stürmer Marius Ebbers hat zwar auch schon die ein oder andere Bundesligasaison absolviert, richtig stark war aber nur in der zweiten Liga, so dass ihn U-21 Nationalstürmer Sukuta-Pasu im Laufe der Saison als Mittelstürmer ablösen könnte.


Trainer & Umfeld
Fans und Umfeld sind heiß auf Bundesligafußball. Die Erwartungen sind nicht hoch, auch wenn die Fans sich den Klassenerhalt wünschen, dürfte Aufstiegstrainer Stanislawski nie zur Disposition stehen. Im Gegensatz zum Aufstieg 2001, ist seine Mannschaft auch eingespielt, so dass der „Musterschüler“ (Als Jahrgangsbester die DFB-Trainer Lizenz erworben) in Ruhe arbeiten kann.



Prognose

Im Pokal ist für Pauli Endstation in Runde eins, man kann sich also ganz auf die Liga konzentrieren. Der Verein geht mit viel Heißhunger in die Spielzeit, das Anfangsprogramm ist machbar (Freiburg, Köln, Hoffenheim). Es gilt also schon früh die wichtigen Punkte für den Klassenerhalt einzufahren, gelingt dies nicht wird die Saison 2010/11 einen ähnlichen Verlauf wie 2001/02 nehmen, Abstieg!

Montag, 16. August 2010

Analyse: Die Roten Teufel


Zum Verein
Nun, nach vier Saisons in der Zweiten Liga, ist der FCK endlich wieder erstklassig. Der Prozess, der zum Wiederaufstieg führte, startete, als Stefan Kuntz vor zwei Jahren begann, als Vorstandsvorsitzender die Strippen zu ziehen und den Pfälzer Club mit landwirtschaftlich verwurzelter Anhängerschaft wieder auf Kurs brachte. Um die glorreichen alten Zeiten heraufzubeschwören, haben findige Köpfe das Wappen nach dem Motto „back to the roots“ umgestaltet. Ob das Schwelgen in Nostalgie auch einen neuen Fritz Walter hervorbringt, werden wir sehen. Der Ösi Erwin Hoffer meldete zumindest jüngst im DFB-Pokal-Spiel gegen Osnabrück Ansprüche auf eine Nachfolge an. Der Zittersieg vom vergangenen Wochenende wird von Seite des Trainers Marco Kurz als wegweisend interpretiert: „So ein Spiel kann eine Initialzündung sein für den Kampf gegen den Abstieg.“ In diesem Satz kommt zugleich zum Ausdruck, worum es für die Teufelstruppe in dieser Saison gehen muss: Mission Klassenerhalt. Mission Impossible?

Wer kommt, wer geht
Die Abgänge der Pfälzer wiegen äußerst schwer: Mit Erik Jendrisek verließ der erfolgreichste Torschütze, mit Sidney Sam der beste Zweitligaspieler der Vorsaison den Verein. Ob diese Abgänge durch die Neuzugänge kompensiert werden können, ist fraglich, auch wenn man sich durch eine kluge Transferpolitik in der Breite verstärken konnte.
Der FCK hat bei den Neuverpflichtungen vor allem Wert auf Erstligaerfahrung gelegt. Diese bringen Chadli Amri, Christian Tiffert, Oliver Kirch, Jan Simunek, in geringerem Umfang auch Jan Morávek und die in der Vorsaison ausgeliehenen Rodnei und Ivo Ilicevic mit. Abgesehen von Tiffert und Simunek konnten jedoch alle bisher in Liga Eins bei ihren Ex-Teams keine bleibenden Duftmarken hinterlassen. Die Hoffnungen darauf, Sidney Sam zu ersetzen, ruhen vor allem auf dem Algerier Chadli Amri. Bei Mainz hat er ab und an sein Können aufblitzen lassen, konstant Leistung gebracht hat er, anders als Sam in der Zweiten Liga, dagegen nicht. Bleibt abzuwarten, ob sich der talentierte Morávek in die Mannschaft spielen kann. Das Potential dazu scheint der tschechische Denker und Lenker zu haben. Mit dem von Energie Cottbus geholten Stiven Rivic ergänzt ein weiterer aussichtsreicher Spieler den Kader. Der 23-jährige Simunek war zwar vergangene Saison bei Wolfsburg weitestgehend Außen vor, hat aber schon seine Erstligatauglichkeit unter Beweis gestellt. Ihm ist zuzutrauen, Rodnei, eine Stütze des Lauterer Teams im Aufstiegsjahr, im Saisonverlauf zu verdrängen. Interessant könnten auch die qualitativ schwierig einzuschätzenden Verpflichtungen von Ilian Micanski, Erwin Hoffer und Leon Jessen werden.

Stärken & Schwächen
Im Tor steht mit Tobias Sippel eines der größten deutschen Torwarttalente. Auch für die Zukunft ist, solange Gerry Ehrmann für die Torwartausbildung bei den Lauterern zuständig bleibt, auf dieser Position beim FCK wohl nichts zu befürchten. Mit Roman Weidenfäller, Tim Wiese, Florian Fromlowitz und eben Tobias Sippel kommen nun vier Stammtorhüter der Bundesliga aus dem Ehrmann-Stall. Wollte man den Bayern einen Rat geben, so doch, dass sie sich die Dienste dieses Gerry Ehrmann für die eigene Torwartarbeit sichern, um ihre Defizite auf dieser Position für die Zukunft zu beheben.
In der Abwehr ist die Innenverteidigung mit Martin Amedick, Rodnei und dem erwähnten Simunek bundesligatauglich besetzt. Bei den Außenverteidigern lässt sich dagegen die Qualität in Frage stellen. Ob Florian Dick und Alexander Bugera in der ersten Liga mithalten können, darf bezweifelt werden. Mit dem 24-jährigen Dänen Leon Jessen wurde jedoch ein aussichtsreicher Kandidat für einen Stammplatz hinter Bugera gestellt.
Im Mittelfeld kann der FCK durch die Neuverpflichtungen nahezu jede Position doppelt besetzen, was für einen starken Konkurrenzkampf spricht, der sich eigentlich nur leistungsfördernd auswirken kann. Zentral für einen erfolgreichen Saisonverlauf wird es sein, wie sich Tiffert und Amri zurechtfinden und ob sich Moravek durchsetzen und in der Mannschaft festspielen kann.
Der Angriff ist die große Unbekannte. Kein Spieler mit Bundesligaerfahrung steht in diesem Mannschaftsteil im Kader der Pfälzer. Eine Einschätzung ist daher sehr schwierig. Mit Jendrisek verließ immerhin der beste Torschütze der letzten Saison den FCK. Srdjan Lakic traf siebenmal, für Adam Nemec standen fünf Treffer zu Buche. Gehofft wird in der Pfalz wohl eher darauf, dass die Neuzugänge Hoffer und vor allem Micanski den Betze zum Brennen bringen.

Trainer & Umfeld
Klugheit bewiesen die Vereinsverantwortlichen bei der Wahl des neuen Hauptsponsors. Mit „Allgäuer Latschenkiefer“ wird die Wahrscheinlichkeit von Muskelverletzungen in der kommenden Saison minimiert. Seit Stefan Kuntz bei den Roten Teufeln die Strippen zieht, werden die Geschäfte auch insgesamt verantwortungsvoll geführt und der ehemalige Polizist macht die unrühmliche Zeit der Jäggi-Regentschaft langsam vergessen. Mit Marco Kurz sitzt ein junger und fähiger Trainer auf der Lauterer Bank, der aufgrund der bisher guten Arbeit sicherlich zunächst fest im Sattel sitzt, selbst wenn die ersten Spiele nicht so erfolgreich verlaufen sollten.

Prognose
Der Klassenerhalt ist durchaus "Mission Possible". Der FCK sollte sich darauf konzentrieren, was er auch in der Aufstiegssaison am besten konnte: Verteidigen. Eine defensivere Grundausrichtung mit schnellen Spielern auf den Flügelpositionen im Mittelfeld und zwei rustikalen Abräumern vor der Abwehr (Jiri Bílek hat schon gezeigt, dass er das kann) scheint die optimale Taktik für den FCK zu sein. Sollte außerdem Micanski oder Hoffer einschlagen, ist der Klassenerhalt durchaus möglich. Mit der Meisterschaft, wie in der Aufstiegssaison 1997/98, werden die Lauterer aber wohl diesmal nichts zu tun haben.

Sonntag, 15. August 2010

Eich giehn de Eintracht kuggen, on dau?

Die vollzählige drölfmeter-Redaktion war heute zu Gast beim heimischen Pokalschreck Eintracht Trier. Das rustikale Moselstadion bot die optimale Kulisse für den Pokalfight gegen den 1. FC Nürnberg: trist und öde.
Zu Bier, Bratwurst & trierischem Defekt … ääh, Dialekt beäugte man mit Argusaugen die Leistung des Viertligisten gegen den gefühlten Drittligist. Die Eintracht war, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, bemüht, der Club war, sagen wir mal, effizient. Die Franken gaben sich alle Mühe den 3-Klassen-Unterschied zu kaschieren. Andreas Wolf gestaltete sein Aufbauspiel nach dem Motto: Warum zum Mitspieler passen, wenn daneben so viel Freiraum ist?! Juri Judt gönnte sich ein paar Laufduelle ohne Gegenspieler und ohne Ball. Über Marek Mintal munkelt man, er wäre beim Anstoß noch auf dem Platz gestanden, habe dann aber einen fulminanten Houdini-Trick angewendet und ward seither nicht mehr gesehen. Dieser Trick hat offenbar den Neuankömmling Julian Schieber derart begeistert, dass er 60 Minuten lang unaufhörlich damit beschäftigt war, ihn zu kopieren. Aufgrund seiner massigen Statur ist ihm dies zwar nicht immer geglückt, aber die guten Ansätze waren unzweifelhaft vorhanden.
Die Eintracht hatte dieses dilettantische Ablenkungsmanöver allerdings schnell durchschaut und setzte ihrerseits alles daran, den Club mit seinen eigenen Mitteln auszukontern. Statt wie gewohnt auf dem Rasen, lieferte man sich nun ein rasantes Psycho-Duell auf Meta-Ebene: Da wurde beispielsweise ein Innenrist-Pass angedeutet, um den Ball in letzter Sekunde aber doch noch mit dem Schienbein zu spielen – sowas macht es selbst internationalen Spitzenteams nahezu unmöglich, ein systematisches Abwehrverhalten aufzubauen. Dazu produzierte man No-Look-Pässe am laufenden Band: Der eigene Mitspieler wird mit den Augen fixiert, der Ball aber zu einem Gegner außerhalb des Sichtfeldes gespielt, woraufhin dieser meist so verdutzt ist, dass er mit ihm nichts anfangen kann und ihn sofort wieder verliert.
Wie schon angedeutet, war vor allem der arme Juri Judt mit diesem next-Level Mind-Game überfordert und lief ein ums andere Mal ins Leere.

Leider fokussierte sich die Eintracht phasenweise zu stark aufs Irritieren des Gegners und so übersah man in der 15. Spielminute den in den Strafraum eilenden Albert Bunjaku. Der geistig etwas träge Schweizer war vom bisherigen Spiel offensichtlich zu überfordert und nahm den vor ihm hüpfenden Ball in veralteter Manier Vollspann - 1:0.
Die Trierer ließen sich von diesem Spielverderber aber nicht aus dem Konzept bringen und zogen ihren Stil eiskalt durch. Einzig Nico Patschinski fiel aus dem Rahmen und leitete einige altmodisch wirkende Konter ein. Glücklicherweise wussten seine Mitspieler diese Chancen gekonnt zu vereiteln – man schoss oder köpfte lieber den Nürnberger Schlussmann an, anstatt den Ball (wie wohl viele erwartet hatten) an ihm vorbei ins Tor zu hämmern. So blieb man in der psychologisch wichtigen Underdog-Position.
Zum Schluss der Partie ließ die Konzentration auf beiden Seiten merklich nach. Der dauerhafte Regen, das nicht vorhandene Verständnis der Zuschauer für die Komplexität der Spielzüge und das nicht enden-wollende „Allez-alleeeez, allez-alleeeez…“ aus dem Nürnberger Fanblock trugen ihren Teil dazu bei, dass alle Spieler an geistiger Frische einbüßten. So konnte der unkundige Stadionbesucher gegen Ende doch noch ein paar Spielzüge alten Typs beklatschen, sich „Hooouuuhhhh“-rufend die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und den von Ekici (zugegebenermaßen) technisch einwandfreien Treffer zum 2:0 bewundern. Dieser markierte auch den Schlusspunkt in einer ansonsten über weite Strecken spannungsreichen Partie zwischen unserer geliebten Eintracht und den manchmal kopflos wirkenden Franken.

Wir jedenfalls freuen uns auf das nächste Pokaljahr, wenn es wieder heißt: EICH GIEHN DE EINTRACHT KUGGEN, ON DAU?





Samstag, 14. August 2010

Spanisches Training

Mata vernascht beim "Fünf gegen zwei" Albiol und freut sich über seinen Streich wie ein Siebenjähriger über 5 Kugeln Schokoeis. Herrlich.




Man beachte auch die Fassungslosigkeit Valdes' (Erkennungsmerkmal: Torwarthandschuhe), der vor lauter Staunen die Hände nicht mehr vom Kopf wegbekommt

Freitag, 13. August 2010

Analyse: Dä Eff-Zeh (1. FC Köln)



Der Verein

Der in den letzten Jahren zur Fahrstuhlmannschaft verkümmerte Traditionsclub aus der Domstadt geht nun in ihre dritte Bundesliga-Saison in Folge, das ist doch schon mal etwas.

Wer die letzten beiden Spielzeiten verfolgt hat, wird sich nicht an viele beeindruckende Spiele der Geißbock-Jungs erinnern, allerdings schaffte man mit einer stabilen Abwehr und guter Kontertaktik zweimal souverän den Klassenerhalt. Nur 7 Heimsiege in 34 Spielen lassen schnell erkennen, welche Probleme die Mannschaft um Trainer Zvonimir Soldo offenbart…ein furchtbar unansehnliches Offensiv-Spiel.



Wer kommt, wer geht

Das angesprochene Manko sollen Mittelfeld-Allrounder Mato Jajolo (AC Siena), Martin Lanig (VfB Stuttgart), und der rumänische Mittelstürmer Alexandou Ionita (Rapid Bukarest) beheben.

Auf die Frage, warum gerade der 22-jährige Kroate Jajalo der in der abgelaufenen Saison ohne Tor oder Torvorlage gebelieben ist dem Offensiv-Spiel Impulse geben soll, antwortete Soldo: „Hätte er ein Tor geschossen, wäre er für uns unbezahlbar geworden“, was für ein Qualitätsnachweis!

Des Weiteren sind noch die Außenverteidiger Giannoulis und Andrézinho neu im Kader, die die Defensiv-Abteilung stärken sollen.

Abgänge: Hier wäre als aller erstes das große Missverständnis Maniche zu nennen, der in der abgelaufenen Runde selten zu überzeugen wusste, und eher den Part des Steh-Geigers im zentralen Mittelfeld einnahm. Ansonsten konnte man alle „Leistungsträger“ halten.



Stärken/Schwächen

Die Abwehr ist auch weiterhin als Prunkstück der Kölner zu verstehen. Mohammad, Geromel, Brecko und Torwart Mondragon haben in den letzten zwei Jahren meist sehr sicher gestanden. Dazu kommt natürlich der große Star der Mannschaft, Lukas Podolski. Er kann sowohl als Stärke und als Schwäche gelten. Der große Poldi-Hype ist nach der schwachen letzten Spielzeit (2 Tore/ 27 Spiele) zwar abgeflacht, dennoch nährt seine starker WM-Auftritt die Hoffnung auf eine bessere Saison des Prinzen. Er ist gefordert, Soldo hat ihm seine „Lieblingsposition“ – hinter den Spitzen versprochen.

„Der große Schweiger“ Soldo baut seit letzter Saison fast unbemerkt einige junge Spieler in sein Team ein, die durchweg Potenzial besitzen sich in der ersten Liga durchzusetzen. Wie weit Salger, Yabo, Yalcin oder Matuschyk wirklich sind, werden aber die ersten Spiele zeigen. Gerade auf den jüngst mit der Fritz-Walter Medaille (bester Jugendspieler) ausgezeichneten Reinhold Yabo sollte man in der kommenden Spielzeit ein Auge werfen.

Äußerst fraglich erscheint es, ob die angesprochenen Neuzugänge die Qualität des Spiels steigern können. Mittelstürmer Novakovic scheint seine besten Tage bereits hinter sich zu haben, Sebastian Freis (wird von Soldo zwar mit Olic verglichen) verbreitet in den gegnerischen Strafräumen selten Angst und Schrecken. Mittelfeld-Abräumer Petit ist auch nicht mit der jüngste, so dass einige Fragezeichen hinter der Leistungsfähigkeit des Kaders stehen. Zusätzlich sollte man bedenken, dass der FC die Klasse auch halten konnte, da meist ein paar Teams noch deutlich schwächer waren.



Trainer & Umfeld

Der fast schon rausgeschriebene Soldo erhält vom Boulevard eine zweite Chance. Sein Kredit scheint aber gering, die Säge ist zwar noch im Werkzeugkoffer, die notorisch kritische Kölner-Presse fummelt aber schon am Reißverschluss. Der Verein hat seit 20 Jahren kaum Erfolge vorzuweisen, der Druck ist in Köln aber traditionell besonders groß. Aber warum ist das so? Bildet sich das Umfeld ein, der FC Köln wäre immer noch eine große Nummer im deutschen Fußball? Scheinbar schon, ansonsten wären Transfers wie Podolski, Maniche oder Petit schwer zu erklären. Die Stadt giert nach Erfolgen, um dieses Ziel zu erreichen sollen bitte auch namhafte Akteure ihren Beitrag leisten. Folge dessen musste man im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Verlust von ca. 7 Millionen Euro zu verbuchen. „Kein Grund zur Sorge“ kommentiert Geschäftsführer Claus Horstmann das Ergebnis, zu mal weiterhin auf potente Sponsoren bauen kann.



Prognose

Die Spielzeit 2010/11 wird knifflig, man muss sich darauf einstellen dass das untere Tabellendrittel vorerst Heimat der Kölner bleibt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Soldo als Trainer die Saison auch beenden wird, zu mal die zwei Schlägereien bei Testspielen nicht gerade für ein hohes Maß an Disziplin in der Truppe steht. Diese wird aber nötig sein, um ein weiteres Jahr in der Bundesliga spielen zu dürfen. Aufgrund der starken Defensive und einer Leistungssteigerung von Lukas Podolski gilt aber wohl auch diese Saison die Rheinische Weisheit: „Et hät noch immer jot jejange“.


Analyse: Borussia Mönchengladbach


Der Verein
Angeblich ist Borussia Mönchengladbach deutschlandweit der zweitbeliebteste Verein - nach den Bayern. Das Gros dieser Fans muss aber altermäßig jenseits der 30 liegen, denn ihre glorreichste Zeit hatten die Fohlen in den 70ern.
Nachdem die Saisons davor recht turbulent verlaufen waren, erlebte die Borussia in der letzten Spielzeit ein solides Bundesligajahr. Man hatte zwar weder mit dem internationalen Geschäft, dafür aber auch nichts mit dem Abstiegskampf zu tun, was durchaus als „zufriedenstellend“ gewertet werden kann.

Wer kommt, wer geht
 
Die einschneidendsten Veränderungen finden bei Gladbach im Angriff statt. Neuville, Colautti und Friend haben den Verein verlassen, was nicht unbedingt als Schwächung gesehen werden muss. Denn mit Mohamadou Idrissou (der 09/10 alleine mehr Tore geschossen hat, als die drei zusammen) und Igor de Camargo von Standard Lüttich kommt vielversprechender Ersatz. Daneben wurde noch der Verteidiger Anderson von Fortuna Düsseldorf losgeeist. Dieser war trotz seiner 22 Jahre eine wichtige Stütze  im rheinländischen Überraschungsteam.

Stärken & Schwächen
Gladbach konnte nahezu das gesamte Team der vergangenen Saison halten, keiner der Leistungsträger musste abgegeben werden. Neben dem Faktor einer eingespielten Stamm-Elf sehe ich auch die ausgeglichene Besetzung als Stärke. Die Abwehr war letzte Saison zwar nicht die sattelfesteste, hier wurde aber mit Anderson gezielt Verstärkung geholt. Daneben wird Dante weiterhin nicht nur für sportliche, sondern auch für optische Highlights sorgen. Das Mittelfeld ist defensiv vielleicht etwas dünn – Bradley hat bei der WM zwar seine Bundesligatauglichkeit unter Beweis gestellt, wird aber von einem Thorben Marx neben sich eher gefordert, statt unterstützt. Nach vorne können sich Arango und Reus durchaus sehen lassen.
Am Sturm gibt es wenig auszusetzten. De Camargo dürfte, sobald er wieder genesen ist, gesetzt sein, daneben liefern sich Bobadilla und Idrissou auf Augenhöhe einen Kampf um den Stammplatz.
Problematisch könnte es werden, wenn sich mehrere Stammspieler verletzten, denn der „2. Anzug“ fällt personell doch etwas ab.

Trainer & Umfeld
Michael Frontzecks bisherige Trainerstationen waren irgendwie nicht so besonders ruhmreich: Abstieg mit Aachen, bei Bielefeld am vorletzten (!) Spieltag entlassen. Deswegen bin ich mir nicht sicher, ob er von Gladbachs Verantwortlichen aus Überzeugung geholt wurde, oder ob man nach den Abenteuern mit Advocaat und Heynckes eine in erster Linie finanziell risikoarme Lösung gesucht hat. Wie dem auch sei, seine letztjährige Arbeit bei der Borussia verdient das Prädikat: solide.
Das Prädikat „wertvoll“ hingegen geht an den Sportdirektor Max Eberl. Er zeigt sich verantwortlich für die Verpflichtungen von u.a. Bailly, Arango, Dante und Reus. Und wenn sein Näschen auch diesmal nicht trügt, werden wir mit de Camargo & Anderson ne Menge Freude haben.

Prognose:
Den in der Vorsaison errungenen 12. Platz sollte die Borussia eigentlich problemlos halten können. Wenn‘s gut läuft ist auch ein einstelliger Tabellenplatz drin, aber nicht in Europaleague-Nähe.