Montag, 23. August 2010

Analyse: Borussia Dortmund


Der Verein
Was ist Schwarz-Gelb, denkt von sich selbst, es sei das Beste, was Deutschland passieren könne und hat eine stinkende Anhängerschaft? – Die Bundesregierung.
Puh, nochmal Glück gehabt dass die kein Fußball spielen! Die Borussia aus Dortmund dagegen schon. Nachdem man die High Roller Niebaum/Meier 2005 entsorgt hat, blieben etwa €100 Mio. Schulden und die Erinnerung an erfolgreiche Zeiten. Für den Verein mit dem höchsten Zuschauerschnitt Europas (~77.000 letze Saison) eine entbehrungsreiche Phase. Mit der gelungenen Euroleague-Qualifikation für diese Spielzeit ist man zwar nicht da, wo man sich gerne sähe, aber das Licht am Tunnelende leuchtet doch schon erheblich heller.   

Wer kommt, wer geht
Dortmund hat sich zwar nicht umfassend, dafür aber gezielt verstärkt: Zunächst einmal hat man den tapfer rackernden, aber ungefährlichen Valdez aus dem Kader komplimentiert und dafür 3 aussichtsreiche Offensivkräfte geholt. Lewandowski für den Sturm, Kagawa fürs Mittelfeld und den 18jährigen Mario Götze für irgendwie dazwischen. Dabei darf man auf die letzten beiden enorm gespannt sein. Kagawa war während der Vorbereitung und beim Euroleague-Auftakt der auffälligste Akteur und schickt sich an, bald als Synonym für das Wort „Schnäppchen“ verwendet zu werden. Götze kommt aus der eigenen Jugend und soll hierzulande das größte Sturmtalent seiner Altersklasse sein. Man munkelt, sogar der Bundesjogi habe schon ein Auge auf ihn geworfen.
Ohne Komplimente getrennt hat man sich zudem noch vom alternden Tinga und arbeitet zur Zeit am Abschied von Tamas Hajnal und Florian Kringe. Was letzterem nicht gelungen ist, soll Lukasz Piszczek (hier wird eine schnellstmögliche Teilnahme am Spitznamen-Seminar seines Landsmanns „Kuba“ nahegelegt) verrichten: Die Verkörperung einer einwechselbaren Alternative für die Außenverteidigerposition.

Stärken & Schwächen
Die Borussia hat einen aussichtsreichen Kader, dem allerdings seine Jugend zum Verhängnis werden könnte. Hummels & Subotic sind Innenverteidiger der neuen Generation und bringen neben Technik und Spielverständnis auch eine gehörige Portion Torgefährlichkeit mit. Nuri Sahin hat letzte Saison überragend das Mittelfeld geordnet – und das mit gerade einmal 20(!) Jahren. Neben ihm könnte Kehl agieren – was aber angesichts dessen Verletzungsleidenschaft eher unwahrscheinlich ist. Und für die Kreativabteilung sind vorerst „Kuba“, Kagawa, Zidan und Kevin Großkreutz (von Kathrin Müller-Hodenstein* übrigens auch liebevoll „Großkopf“ genannt) zuständig. Vorne netzt dann der nimmersatte Barrios ein.
Vom Potential her klingt das alles, wie gesagt, vielversprechend, kann aber angesichts der Jugend zu Problemen mit der Konstanz und Unerfahrenheit im Umgang mit Drucksituationen führen.

Trainer & Umfeld
Dass der Fernseh-Sympathikus Jürgen Klopp etwas von Fußball und Didaktik versteht, durfte die geneigte WM-Zuseherin anno 2006 erfahren. Seit 2008 wissen das auch die Dortmunder Fans. Im ersten Jahr noch knapp am internationalen Geschäft vorbeigeschrammt, darf er nun aus den entlegensten Winkeln Europas sein freundlich-debiles Grinsen in die Kameras pressen. Vorerst nur an ausgewiesenen Donnerstagen, aber immerhin. Die 76.500 Zuhause gebliebenen Fans wird’s freuen.  Denn so lässt es sich mit Sicherheit leichter vergessen, dass die sportliche Leitung in Dortmund in den Händen eines Mannes liegt, der von allen nur „Susi“ gerufen wird.

Prognose
Ich habe die Dortmunder für diese Spielzeit als Überraschungskandidaten auf dem Zettel. Der Trainer scheint sowohl mit der Mannschaft, als auch mit den Fans einen guten Umgang gefunden zu haben, der es ihm erlaubt, die Erwartungshaltung soweit zu dämpfen , dass er in Ruhe arbeiten kann. Es müsste schon allerhand schieflaufen, damit von den Tribünen „Trainer raus“-Rufe erschallen. Sollte dazu der Kader weitgehend von Verletzungen verschont bleiben, kann ich mir sogar einen Ausrutscher unter die ersten Drei vorstellen. Ansonsten ist Platz 6 ein realistisches und machbares Ziel.  

 








*wird, für den Fall, dass sie in Zukunft je wieder erwähnt wird, nur noch mit KMH betitelt

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