Freitag, 13. August 2010

Analyse: Dä Eff-Zeh (1. FC Köln)



Der Verein

Der in den letzten Jahren zur Fahrstuhlmannschaft verkümmerte Traditionsclub aus der Domstadt geht nun in ihre dritte Bundesliga-Saison in Folge, das ist doch schon mal etwas.

Wer die letzten beiden Spielzeiten verfolgt hat, wird sich nicht an viele beeindruckende Spiele der Geißbock-Jungs erinnern, allerdings schaffte man mit einer stabilen Abwehr und guter Kontertaktik zweimal souverän den Klassenerhalt. Nur 7 Heimsiege in 34 Spielen lassen schnell erkennen, welche Probleme die Mannschaft um Trainer Zvonimir Soldo offenbart…ein furchtbar unansehnliches Offensiv-Spiel.



Wer kommt, wer geht

Das angesprochene Manko sollen Mittelfeld-Allrounder Mato Jajolo (AC Siena), Martin Lanig (VfB Stuttgart), und der rumänische Mittelstürmer Alexandou Ionita (Rapid Bukarest) beheben.

Auf die Frage, warum gerade der 22-jährige Kroate Jajalo der in der abgelaufenen Saison ohne Tor oder Torvorlage gebelieben ist dem Offensiv-Spiel Impulse geben soll, antwortete Soldo: „Hätte er ein Tor geschossen, wäre er für uns unbezahlbar geworden“, was für ein Qualitätsnachweis!

Des Weiteren sind noch die Außenverteidiger Giannoulis und Andrézinho neu im Kader, die die Defensiv-Abteilung stärken sollen.

Abgänge: Hier wäre als aller erstes das große Missverständnis Maniche zu nennen, der in der abgelaufenen Runde selten zu überzeugen wusste, und eher den Part des Steh-Geigers im zentralen Mittelfeld einnahm. Ansonsten konnte man alle „Leistungsträger“ halten.



Stärken/Schwächen

Die Abwehr ist auch weiterhin als Prunkstück der Kölner zu verstehen. Mohammad, Geromel, Brecko und Torwart Mondragon haben in den letzten zwei Jahren meist sehr sicher gestanden. Dazu kommt natürlich der große Star der Mannschaft, Lukas Podolski. Er kann sowohl als Stärke und als Schwäche gelten. Der große Poldi-Hype ist nach der schwachen letzten Spielzeit (2 Tore/ 27 Spiele) zwar abgeflacht, dennoch nährt seine starker WM-Auftritt die Hoffnung auf eine bessere Saison des Prinzen. Er ist gefordert, Soldo hat ihm seine „Lieblingsposition“ – hinter den Spitzen versprochen.

„Der große Schweiger“ Soldo baut seit letzter Saison fast unbemerkt einige junge Spieler in sein Team ein, die durchweg Potenzial besitzen sich in der ersten Liga durchzusetzen. Wie weit Salger, Yabo, Yalcin oder Matuschyk wirklich sind, werden aber die ersten Spiele zeigen. Gerade auf den jüngst mit der Fritz-Walter Medaille (bester Jugendspieler) ausgezeichneten Reinhold Yabo sollte man in der kommenden Spielzeit ein Auge werfen.

Äußerst fraglich erscheint es, ob die angesprochenen Neuzugänge die Qualität des Spiels steigern können. Mittelstürmer Novakovic scheint seine besten Tage bereits hinter sich zu haben, Sebastian Freis (wird von Soldo zwar mit Olic verglichen) verbreitet in den gegnerischen Strafräumen selten Angst und Schrecken. Mittelfeld-Abräumer Petit ist auch nicht mit der jüngste, so dass einige Fragezeichen hinter der Leistungsfähigkeit des Kaders stehen. Zusätzlich sollte man bedenken, dass der FC die Klasse auch halten konnte, da meist ein paar Teams noch deutlich schwächer waren.



Trainer & Umfeld

Der fast schon rausgeschriebene Soldo erhält vom Boulevard eine zweite Chance. Sein Kredit scheint aber gering, die Säge ist zwar noch im Werkzeugkoffer, die notorisch kritische Kölner-Presse fummelt aber schon am Reißverschluss. Der Verein hat seit 20 Jahren kaum Erfolge vorzuweisen, der Druck ist in Köln aber traditionell besonders groß. Aber warum ist das so? Bildet sich das Umfeld ein, der FC Köln wäre immer noch eine große Nummer im deutschen Fußball? Scheinbar schon, ansonsten wären Transfers wie Podolski, Maniche oder Petit schwer zu erklären. Die Stadt giert nach Erfolgen, um dieses Ziel zu erreichen sollen bitte auch namhafte Akteure ihren Beitrag leisten. Folge dessen musste man im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Verlust von ca. 7 Millionen Euro zu verbuchen. „Kein Grund zur Sorge“ kommentiert Geschäftsführer Claus Horstmann das Ergebnis, zu mal weiterhin auf potente Sponsoren bauen kann.



Prognose

Die Spielzeit 2010/11 wird knifflig, man muss sich darauf einstellen dass das untere Tabellendrittel vorerst Heimat der Kölner bleibt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Soldo als Trainer die Saison auch beenden wird, zu mal die zwei Schlägereien bei Testspielen nicht gerade für ein hohes Maß an Disziplin in der Truppe steht. Diese wird aber nötig sein, um ein weiteres Jahr in der Bundesliga spielen zu dürfen. Aufgrund der starken Defensive und einer Leistungssteigerung von Lukas Podolski gilt aber wohl auch diese Saison die Rheinische Weisheit: „Et hät noch immer jot jejange“.


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