Donnerstag, 12. August 2010

Analyse: Hannover 96

Der Verein
„Der Traditionsverein Hannover 96 ist einer der ältesten Fußballklubs in Deutschland“ steht auf seiner Homepage geschrieben. Richtig. Und damit hätten wir auch schon beinahe alles Spektakuläre erwähnt, was es zu diesem Klub zu sagen gibt.
Hannover 96 ist so etwas wie der Inbegriff der „Grauen Maus“. Seit dem gelungenen Aufstieg 2002 in die erste Liga konnte sich das Team zwar Jahr für Jahr in der obersten Spielklasse halten – mehr aber auch nicht. Allen Bemühungen von Clubchef Martin Kind zum Trotz (die da u.a. wären: hoffnungsvolle Verpflichtung Mike Hankes, hoffnungsvolle Verpflichtung Jan Schlaudraffs, hoffnungsvolle Verpflichtung Mikael Forssells, usw.) schafft der Verein es nicht, dem Tal der Bedeutungslosen zu entfliehen. Lediglich in der letzten Saison stand Hannover für einige Zeit im Fokus der Öffentlichkeit, das aber resultierend aus dem Selbstmord von Robert Enke und den darauffolgenden unterirdischen Leistungen im Abstiegskampf.


Wer kommt, wer geht
Auf der Haben-Seite backt Hannover dieses Mal ganz kleine Brötchen. Zu den namhaftesten Verpflichtungen gehören (bisher) Lars Stindl, Markus Miller, Moritz Stoppelkamp und Emanuel Pogatetz – drei Zweitligaspieler und ein Österreicher vom FC Middlesbrough. Hui. Immerhin sind alle ablösefrei.

Die Verluste wiegen dagegen wesentlich schwerer. Im Mittelfeld verabschieden sich Arnold Bruggink, der letzte Saison Hannovers Spiel gelenkt hat (in der Rückrunde mehr, in der Hinrunde weniger), der schöne Hanno Balitsch, Jan Rosenthal, der sich trotz vieler Vorschusslorbeeren nicht durchsetzten konnte und Elson, der zum VfB Stuttgart zurückkehrt.
Im Sturm beenden Arouna Koné sein kurzes, und der juvenile Jiri Stajner sein langes Gastspiel. Stajner hat in seinen 8 Jahren für die 96er nie weniger als 3 Tore pro Saison geschossen – leider aber auch nie mehr als 8. Das macht ihn trotzdem zu Hannovers konstantestem Schützen der letzten Dekade.


Stärken & Schwächen
Nun, was soll ich sagen?! Bei einem Blick auf Hannovers Kader ist es nicht einfach, irgendetwas als Stärke ausmachen zu wollen. Mit viel Wohlwollen vielleicht: Unberechenbarkeit. Der am stärksten besetzte Mannschaftsteil ist für mich das Tor. Fromlowitz hat sich angesichts der letztjährigen Situation gut geschlagen und hat mit seinen 24 Jahren noch genügend Potential nach oben. Markus Miller hat zwar das Leistungsvermögen eines Uwe Kamps, dafür aber das Anspruchsdenken eines Oliver Kahn. Eine dankbare Nr. 2 also, die dafür sorgen wird, dass sich der Stammkeeper angesichts des Konkurrenzdrucks keine allzu langen Leistungslöcher erlauben kann.

Die Schwächen sind demnach, naja, alle anderen Mannschaftsteile. Der solideste Verteidiger heißt Christian Schulz – damit bringste keinen Bundesligastürmer zum schlottern. Wer im Mittelfeld die Fäden ziehen soll, ist mir gänzlich schleierhaft. Einzig Djakpa hat letzte Saison gute Ansätze gezeigt, der Rückrundenspezialist Bruggink ist ja weg. Und der Sturm ist ein Sammelsurium enttäuschter Erwartungen: Hanke, Schlaudraff, Forssell – eigentlich müssten sich Stoppelkamp und Ya Konan von selbst aufstellen. Letztgenannter ist auch der Einzige, den ich mir in Verbindung mit dem Begriff „Tor schießen“ vorstellen kann.


Trainer & Umfeld
Mirko Slomka zehrt immer noch vom Erreichen des CL-Viertelfinales mit Schalke. Das brachte ihm die letzten zwei Jahre ne Menge Auftritte als DSF-Experte, aber keine Festanstellung als Profi-Trainer ein. Auch erscheint fragwürdig, ob es tatsächlich einen Unterschied gemacht hätte, wenn man zum Ende der vergangenen Saison einen dressierten Tanzbären auf die 96-Bank gesetzt hätte. Die so vielfach bemühte „eigene Handschrift“ eines Trainers habe ICH nicht erkennen können. Des Weiteren wird gemunkelt, dass das Verhältnis zu der Mannschaft nicht das allerbeste sein soll – das zu Sportdirektor Schmadtke ist es offenkundig nicht.

Da mir persönlich kein einziger Hannover 96 – Fan bekannt ist, habe ich leichte Bedenken, ob der Ausdruck „Umfeld“ nicht zu überdimensionierte Assoziationen weckt. Wie dem auch sei, dieses ominöse Umfeld wird nach der letzten Saison wahrscheinlich schon damit zufrieden sein, wenn sich bei 96 alles um die Bundesliga dreht. Übersteigerte Erwartungen – wie in den vergangenen Jahren –sind nicht zu erwarten, Fan-Proteste gegen den Trainer dagegen schon.


Prognose
Hannover ist für mich fester Abstiegskandidat. Das Erreichen des Relegations-Platzes wäre ein Erfolg, der Verbleib in der Liga geradezu ein Überraschungs-Coup. Dazu gehe ich davon aus, dass Mirko Slomka die Winterpause (beruflich) nicht überlebt.

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