Freitag, 20. August 2010

Analyse: FC Bayern


Zum Verein
Wer liebt ihn nicht, den FC Hollywood. Was wäre der deutsche Fußball ohne den Rekordmeister? Was wäre die Medienlandschaft Deutschlands ohne die glorreichen Sprüche eines Uli Hoeneß? Wie dem hier, mit dem der Bayern-Präse das besondere Verhältnis zu seinem Verein auf den Punkt bringt: „Ein Uli Hoeneß lässt den FC Bayern nie im Stich. Und wenn irgendein Problem entsteht, würde ich zur Not hier sogar ein halbes Jahr den Platzwart machen.“ Oder die durch charakteristisch-süffisante Lachpausen unterlegten Kommentare des Kaisers? Was wäre die deutsche Esskultur ohne den just bei McDonald’s eingeführten „Nürnburger“ aus Hoeneß‘ Wurstfabrik? Dennis hat den Wurst-Burger-Zwitter jüngst degustiert und war hellauf begeistert. Sicher, dass dieses tolle Ding einen spektakulären Siegeszug um die Welt herum antreten wird. Oder was wäre die letzte Bundesligasaison ohne die märchenhafte Wandlung des grimmig-unsympathischen Holländers Louis van Gaal zum von den Massen geliebten Feierbiest? Keine Frage, der FC Bayern macht, auch wenn man kein Fan ist, einfach Spaß und ist für die deutsche Fußball- und Medienwelt unersetzlich.

Wer kommt, wer geht
Hoeneß brachte die grobe Richtlinie der Transferpolitik der Bayern einmal folgendermaßen auf den Punkt: "Die Wahnsinnspreise zahlen wir sicherlich nicht, aber die mittleren Wahnsinnspreise könnte ich mir schon vorstellen." Nach großen Investitionen letztes Jahr, wurden diesmal nicht einmal die kleinen Wahnsinnspreise gezahlt. Stattdessen lautete die Devise wie so häufig nach einer Meisterschaftssaison bei den Münchnern: Konsolidieren bzw. warum was tun, wenn die letzte Saison doch erfolgreich war? Einzig Toni Kroos ist ein Zugang mit Stammkraftpotenzial, der nach einer brillanten Spielzeit bei Bayer Leverkusen wieder zu den Bayern zurückkehren durfte. Hinzu kommen die ebenfalls nach Leihgeschäft heimgekehrten, aber wohl für die zweite Reihe gedachten, Breno und Andreas Ottl.
Und bei den Abgängen? Da gibt's nichts Schmerzhaftes zu vermelden. Ganz im Gegenteil. Der Abwanderung von Christian Lell weint wohl niemand in München auch nur eine Träne nach. Zumal man sich mit der Abschiebung gar einen Skandal vom Hals gehalten hat. Soll sich doch der doppelt coole Michi Ballack auf noch unbekannte Art und Weise in das Lellsche Privatleben eingemischt haben. Der noch unter Klinsmann als Stammkraft agierende Außenverteidiger dazu: “Meine privaten Probleme hatten auch mit Michael Ballack zu tun. Darüber wird ja schon getuschelt. Michael hat seinen Anteil daran, dass es mir monatelang schwer fiel, wieder in die Spur zu finden. Sein Verhalten ist mit nichts zu entschuldigen. Michael hat den Bogen überspannt und hat sich alles andere als vorbildlich verhalten.” Gemunkelt wird, dass sich Ballack bei Ex-Chelsea-Kollege John Terry zwar (glücklicherweise) nichts auf dem Fußballplatz, dafür aber Einiges im zwischenmenschlichen Bereich abgeschaut und in fremden Gewässern gefischt hat. Aber das Thema gehört jetzt nach Berlin bzw. Leverkusen. Wieder in Medias Res. Nun gut, viel gibt’s bei den Transfers aber eigentlich auch nicht mehr zu sagen. Ach ja, Luca Toni ist nach der Leihe vergangene Saison nun auch offiziell abwandert. Zurück in Bella Italia schraubt er kommende Saison für den FC Genua an seinem Ohr.

Stärken & Schwächen
Bayern hat alle Leistungsträger aus der bombastischen vergangenen Saison gehalten. Der FCB hat mit Toni Kroos einen der stärksten jungen deutschen Spieler dazu bekommen. Das Double wurde letzte Saison geholt und das Champions League-Finale erreicht. Demnach gibt es vorwiegend einen Faktor, der die Bayerndominanz brechen kann. Ein verletzter oder schlecht spielender Arjen Robben. Da Letzteres eher unwahrscheinlich ist, ist die Verletzungsfrage gerade sogar aktuell. Die ersten Spiele müssen die Bayern ohne den Holländer auskommen. Um die Verletzungsanfälligkeit des Flügelspielers wusste man beim FC Bayern bereits vor der Verpflichtung, aber dieses Risiko sind die Verantwortlichen, vor dem Hintergrund der Robben-Leistungen vergangene Saison, völlig zu Recht eingegangen. Die Chancen, den Ausfall zu kompensieren, stehen diese Saison gut wie nie. Mit Kroos und Hamit Altintop lechzen gleich zwei starke Spieler nach ihrer Startelf-Chance auf der rechten Seite. Vielleicht könnte Kroos, als angenehme Abwechslung zum Links spielenden Franck Ribéry dann mit seinen Zuckerpässen und präzisen Flanken sogar mal dafür sorgen, dass der etatmäßige Mittelstürmer etwas besser ins Bayernspiel eingebunden wird, als dies in der Vorsaison der Fall war. Mit Olic, Klose und Gomez verfügt man in München über drei vom Potential her großartige Stürmer. Auch Thomas Müller könnte durchaus im Laufe der Saison als Mittelstürmer eingesetzt werden, wenn Ribéry, Kroos und Robben dann irgendwann gemeinsam auf dem Platz stehen. Wer sich letztlich durchsetzt, im Kampf um den Platz im Sturmzentrum, ist schwer zu sagen. Olic wird sich in jedem Fall wieder extrem reinhängen und hat bei van Gaal aufgrund der Vorsaison einen gewissen Bonus.

Trainer & Umfeld
Was Louis van Gaal in der letzten Saison nach der durch Klinsmann verkorksten und Heynckes doch noch geretteten Vorsaison erreicht hat, wird ihm so schnell sicherlich keiner vergessen. Der gladiolenbesessene Erfolgscoach hat es auch vermocht, der Jugend erfolgreich eine Chance zu geben, was er diese Saison mit dem frühen Bekenntnis zu Diego Contento als linkem Verteidiger fortzusetzen scheint. Man darf gespannt sein, wen er diese Saison aus dem Hut zaubert. Van Gaal sitzt selbstverständlich fest im Sattel.
Ein leichter aus der Ruhe zu bringendes Umfeld als in München ist schwer vorzustellen. Aber das macht eigentlich allen Beteiligten einen Riesenspaß.


Prognose
Der FCB ist der absolute Meisterschaftsfavorit. Man ist noch stärker aufgestellt als in der vergangenen Saison. Die Abwehr scheint wieder die einzige potentielle Schwachstelle zu sein. Bleibt zu sehen, wie Diego Contento in die Rolle des Linksverteidigers reinwächst und wer sich in der Innenverteidigung durchsetzt. Auch ein Robben-Ausfall kann diese Saison relativ gut wett gemacht werden, so dass eigentlich nichts gegen ein Double und gar ein weiteres Champions League-Finale spricht. Für das internationale Parkett ist aber vor allem in der fortgeschrittenen Phase des Wettbewerbs ein fitter Arjen Robben von Nöten. Insgesamt steht uns wieder eine Saison bevor, in der die Bayern die Bundesliga weitestgehend dominieren werden. Und wenn die spielerische Überlegenheit phasenweise nicht erdrückend ist, kommen halt die Dusel-Bayern zurück.

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