Dienstag, 21. September 2010

Die neuen Fußballstars – Im Fokus: Internationale Top-Talente (1)

In unser neuen Rubrik bei Drölfmeter wollen wir euch zeigen, auf welche Talente ihr in der nächsten Zeit besonders achten solltet. Die meisten die wir euch vorstellen sind bislang nur hiesigen Fußballexperten bekannt, sodass er ihr euch bei den nächsten Turnieren nicht wundern müsst „Wen haben die da im Tor(Abwehr/Angriff. Klar, nicht jedes Talent wird sein Versprechen halten, dennoch werden wir euch 11 „Granaten“ vorstellen von denen wir überzeugt sind, dass sie mal zu den ganz großen gehören werden.

Torwart: Joe Hart – Die Lösung für das englische Torwart-Problem


Haha, Schenkelklopfer.. wird sich der ein oder andere denken, dass nun etwa gerade die Engländer ein Top Torwart-Talent ihr Eigen nennen können. Normalerweise ist die Wahrscheinlichkeit dass England einen Torhüter ohne regelmäßige Slapstick-Einlagen heraus bringt so hoch wie ein Lottogewinn oder eine Schalker Meisterschaft, aber dieser 23-jährige ist ein wahrer Hauptgewinn. Der Mann hat sich bei den Neureichen Citizens aus Manchester durchgesetzt, bzw. er ist gar nicht mehr wegzudenken. Bezeichnend, dass er den besten britischen Torwart der letzten 10 Jahre (der Ire Shay Given) mit seinen hervorragenden Leistungen auf die Bank verbannt hat. Citys Scheich Zayed Al Nahyan kauft zwar alles ein, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, auf der Torwart-Position vertraut man nun aber diesem außerordentlichen Talent.

Joe Hart hat dabei schon einige Stationen hinter sich. Zwar steht er schon seit vier Jahren bei City unter Vertrag, er wurde in den letzten Jahren aber oft an unterklassige bzw. kleinere Vereine zwecks Spielpraxis verliehen. In der letzten Saison gelang im der Durchbruch bei Aufsteiger Birmingham City die mit dem sicheren Blondschopf zwischen den Torstangen ohne Probleme die Klasse halten konnten.

Joe Harts Stärken sind seine exzellenten Reflexe, die gerade am ersten Spieltag die Tottenham Hotspurs schier zur Verzweiflung brachten. Abschläge, Fausten und Stellungsspiel sind wirklich schon hervorragend ausgeprägt, Schwächen zeigt er noch beim Heraus laufen, dabei scheint er sehr Beinschuss affin zusein ;).

Zusammenfassend kann konstatiert werden, ob Joe Hart will oder nicht, er wird wohl die nächsten 15 Jahre im Kasten der englischen Auswahl stehen müssen. Falls er bei den nächsten großen Turnieren auch nur ein Elmeterschiessen für seine Farben gewinnen sollte, dürfte er sich schnell in eine Reihe mit den größten Keepern Englands Gordon Banks und Peter Shilton stellen.

Samstag, 18. September 2010

Spotlight on: Spieltag Numero Cuatro


Die bisherigen drei Spieltage warteten bereits mit einigen Überraschungen auf und auch der gestrige Start in Spieltag Vier verlief dramatisch: Ein mieses Spiel zwischen Frankfurt und Freiburg auf holprigem Untergrund entschied Jan Rosenthal in letzter Minute mit einem Abseitstor. Auch der Rest des Spieltags wird garantiert einigen Zündstoff bereithalten:

Duell der Titelaspiranten: FC Bayern – 1.FC Köln

Just um 12 Uhr hieß es in Minga „O’zapft is!“ - Es ist wieder Wiesenzeit! Daran können das Feierbiest und seine Jungs jedoch erstmal keinen Gedanken verschwenden, steht doch heute eine komplizierte Aufgabe gegen die Rheinländer an, die es auf dem grünen Geläuf der Allianzarena zu lösen gilt. Der Effzeh hat Oberwasser nach der Dominanz-Demonstration bei der Demontierung des FC St. Pauli. Auch die Münchner gehen mit erhobenen Häuptern in die Partie – mit einer souveränen zweiten Halbzeit bezwang der FCB eine erschreckend defensiv eingestellte Roma mit 2:0. So konnten die Bayern den durchwachsenen Saisonstart ein wenig vergessen machen. Ohne Frage erwartet jeder von den Münchnern einen klaren Sieg. Dennoch: Den Kölnern kann Großes zugetraut werden, erwies sich doch Zvonimir Soldo mit den vorgenommenen Umstellungen vergangene Woche als gewiefter Taktiker. Sicher zaubert der kroatische Mourinho auch gegen die Bayern die ein oder andere Überraschung aus dem Hut. Bereits durchgesickert ist, dass Sebastian Freis heute Dampf über die rechte Seite machen wird. Zu erwarten ist der allseits bekannte Knoten in den Beinen bei Diego Contento.
Insgesamt geht der FC Bayern also schon als Favorit in die Partie, dem Effzeh ist jedoch durchaus die Entführung eines Punktes aus der Wiesenstadt zuzutrauen. Kann Podolski seine Hochform abermals abrufen, ist sogar mehr drin. Tipp: 1:1.

Der Betze bebt: Lautern – Hoffenheim
Der Tabellenführer zu Gast in der Pfalz. Zu Lautern muss man eigentlich nicht viel sagen, außer dass mit einem solchen Saisonstart wohl kaum jemand gerechnet hätte. Mainz holte die Lauterer letzte Woche jedoch wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Hoffenheim machte es besser und konnte gleich alle drei Auftaktspiele gewinnen. Auf dem Betzenberg wird es auf jeden Fall richtig schwierig für Hoppenheim, da Lautern wohl eher versuchen wird, das Spiel der Kraichgauer zu zerstören und punktuell über Konter gefährlich zu werden. Tipp: 1:1.

Spannend: Bremen – Mainz

Bremen präsentierte sich in der Champions League wie so oft auf internationalem Parkett in Dr. Jekyll und Mr. Hyde-Manier. Zunächst das Spiel völlig verpennt, dann aber, vor allem durch einen bärenstark aufspielenden Marko Marin, doch noch einen Punkt gerettet. Gerade noch einmal gut gegangen. Mainz bestätigt bisher die gute Form der letzten Saison, auch wenn der Kader in der Sommerpause kräftig durcheinander gewirbelt wurde. Nach drei Spieltagen steht für Mainz die maximale Punkteausbeute zu Buche. Für die Moral der Mannschaft spricht, dass sie die beiden letzten Spiele sogar noch nach Rückstand gewonnen haben. Gegen Wolfsburg gar mit 4:3 nach 3:0-Handicap. Durchaus zu erwarten, dass die 05er den Bremern Paroli bieten können, zumal diese wieder ohne die Säulen des Teams − Mertesacker, Naldo und Pizarro − auskommen müssen. Tipp: 1:2. 

Niedersachsenderby: Wolfsburg – Hannover
Wolfsburg ging’s wie Stuttgart: Ein völlig verkorkster Saisonbeginn. Hannover dagegen überraschte nach dem DFB-Pokal-Aus alle und hat bereits 7 Punkte erspielt. Die Abwehr der Hannoveraner ist heute allerdings gründlich durcheinander gewirbelt: Haggui ist verletzt, Pogatetz gesperrt, so dass Slomka umbauen muss. Auch McLaren nimmt einige Umstellungen vor und ändert das System auf 4-4-2 mit Mittelfeldraute. Der Meisterschaftssturm von 2009 mit Grafite und Dzeko kommt zum Einsatz – für Grafite die Riesenchance, sich in die Mannschaft zu spielen.
Der Knoten wird platzen bei Wolfsburg: 3:0.

Kein Derby: Stuttgart – Gladbach

Unentschieden, Sieg, Niederlage – Gladbach hat diese Saison schon alles gehabt. Die Frage ist, auf welchen Pfaden die Fohlen nun weiter galoppieren werden. Der Auftritt gegen Frankfurt war erschreckend schwach, das Torfestival in Leverkusen bezaubernd. Der VfB hat den Start in die Spielzeit völlig verschlafen, konnte sich in der Europa League aber zumindest durch den 3:0-Sieg gegen die jungen Jungs aus Bern etwas Selbstvertrauen zurückholen. Heute wird es definitiv schwieriger für die Schwaben werden. Augenscheinlich funktionieren bei beiden Teams die Abwehrreihen noch nicht passabel. Deshalb der Tipp: 3:3.

Ruhrpottderby: Schalke – Dortmund
Dat is der Ruhrpottkracher! Das Derby der Derbies in der Beletage des deutschen Fußballs. Die in den ersten Spielen in Bundesliga und Königsklasse erschreckend schwach spielenden Schalker müssen heute unbedingt punkten. Vor heimischem Publikum muss der BVB in die Knie gezwungen werden. Am besten mit hohem Endergebnis und möglichst demütigend. Das ist das Gelsenkirchener Star-Ensemble dem Anhang nach dem stümperhaftem Herumgekrampe der jüngeren Vergangenheit schuldig. Zuzutrauen ist Selbiges den Schalkern jedoch eher nicht. Vielmehr scheint der BVB zu den Mannschaften der Stunde zu gehören. Der Sieg am Donnerstag in der Euroleague war verrückt, aber zeigte, was für ein enormes Potential in der juvenilen Mannschaft steckt. Mario Götze macht Spaß, genauso wie Shinji Kagawa, Lucas Barrios sowieso immer und nun scheint auch Robert Lewandowski langsam in Dortmund anzukommen. Die Luft in der Schalke-Arena wird brennen, wie das immer bei diesem Kracher-Derby der Fall ist. Mal schauen, was sich Dortmund-Erzfeind Manuel Neuer diesmal einfallen lässt. Noch eine kleine Stimmungskostprobe:






Auch wenn auf Schalke Fans und Mannschaft sicher höchst motiviert sein werden, ist Lüdenscheid-Nord mein Favorit: Tipp: 1:3.

Stadtderby: St.Pauli – HSV
Das dritte Derby an diesem Spieltag. Der HSV geht als klarer Favorit in die Partie am Millerntor. St. Pauli startete durchwachsen, der HSV dagegen fast perfekt. Vor allem ‚Van the Man‘ kam gleich super in Fahrt. Alles andere als ein HSV-Erfolg wär ein Wunder. Sukuta-Pasu deutete in den letzten Spielen an, dass er brennt: Er macht das 1:0, danach schießt der HSV vier Murmeln in die Maschen. Unterm Strich also 1:4.
 
Klare Sache: Leverkusen – Nürnberg
Wohl die Partie mit dem eindeutigsten Favoriten an diesem Spieltag. Wenn nicht alles verkehrt läuft, sollte das ein klarer Heimsieg für die Werkself werden. Tipp: 4:0.

Montag, 13. September 2010

Der 3. Spieltag: Expect the unexpected







Mei, was läuft die Liga rund! Da fiebert man wochenlang dem Bundesligastart entgegen, geht im Kopf zig mal das Leistungspotential der einzelnen Klubs durch, ordnet diese entsprechend und erstellt daraus seine fiktive Abschlusstabelle, und dann sowas! Dass die Ergebnisse des ersten Spieltags Zufallsprodukte sind, damit hat man sich ja abgefunden („die Teams kommen aus der Vorbereitung und haben noch keinen Rhythmus gefunden“ – kann man da gerne anfügen, um dem unkundigen Gesindel sein Fachwissen zu demonstrieren). In den zweiten Spieltag startet man schon mit einer Hypothek – entweder man hat etwas gutzumachen (wie Stuttgart, Bremen, Schalke), oder ist euphorisiert vom unerwarteten Sieg (wie Lautern, Pauli und Hannover). Da lässt sich schon tendenziös erahnen, ob die Überraschung dicker ausfällen könnte, als angenommen. Dann hatte man eineinhalb Wochen Länderspielpause in denen der schmollende Michi die Gazetten beherrscht hat, weil er nämlich keine Lust hat, den anderen Jungens beim Spielen zuzuschauen, wenn der Philipp ihn weiter so ärgert und ihm die Sachen wegnimmt, die er aber gerade haben möchte. Gut, dass wir den bibelfesten Jogi haben, der in salomonischer Weisheit ein eindeutiges Urteil fällte und sprach: „Dann seid ihr nun beide Käptns! – oder auch nicht … zumindest nicht so richtig… Mal seh’n wie ich lustig bin. In Zukunft. Vielleicht.“

Ab hier dürfte man sich als professioneller Sportschau-Gucker denken: 4 Pflichtspieltage geschaut, 3 Wochen Betrieb, der Europacup steh vor der Tür – so langsam dürfte sich alles auf Normalpegel einordnen.

Pustekuchen! Dem Blick auf Ergebnisse und Tabelle folgt dieser Tage unmittelbar ein Kontrollgriff zum Kalender: aber nichts da – der 1. April ist auch dieses Jahr nicht in den September verlegt worden. Es stimmt schon alles. Dass Hoffenheim Tabellenführer ist mag man in Erinnerung an den Herbst 2008 noch hinnehmen, aber wer ist denn das Verfolgerfeld?! Mainz, Hannover und Kaiserlautern? Und die 3 Abstiegsplätze belegen Wolfsburg, Schalke und der VfB. Alle Sieglos. Einzig den Stuttgartern traut man hier ein schwäbisch-strategisches Manöver zu (nach dem Motto „Mir sparet d‘ Punkte erscht’amol. Do weisch nie, ob de am End‘ no zahle musch, wenn d’ z‘viel von denne hasch, gell?!“). Von den vermeintlichen Meisterschaftskandidaten schafft es nur Hamburg in Schlagdistanz zur Tabellenspitze. Von denen ist aber hinlänglich bekannt, dass sie zur Rückrunde regelmäßig den Profibetrieb einstellen und dazu ein Trainer auf der Bank sitzt, der nur Halbjahreserfolgsbilanzen aufzuweisen hat – also eigentlich doch wieder kein Kandidat für die Schale. Die Mönchengladbacher wollen allem Anschein nach der grauen Tristesse entfliehen und inszenieren sich als Diva mit Borderline-Syndrom: mal himmelhochjauchzend, mal zu Tode betrübt. Dem fulminanten 6:3 in Leverkusen folgt ein indiskutables 0:4 zu Hause gegen Frankfurt. Nichts gegen Frankfurt, aber alleine in dem Spiel hat Theofanis Gekas zweidrittel seines Torekontingents für diese Saison verbraucht! Noch so eine Partie und die Leute würden glauben, er sei ein Stürmer.
Und im Ligamittelfeld verstecken sich irgendwo Bayern, Bremen und Leverkusen. Wer übrigens beim Spiel Bayern-Bremen erfolgreicher seine Mannschaftsteile verschleiert hat, ist mir noch nicht ganz klar. Bremen hat zumindest relativ gut versteckt, dass sie eigentlich keine Innenverteidigung besitzen – was daran liegen könnte, dass Bayern nur so tat, als hätten sie einen Sturm. Vielleicht hat man sich deshalb an der eigentlich so heiklen Schnittstelle friedfertig neutralisiert. Genützt hat es beiden nichts. Und die Leverkusener? Bei denen glaube ich mittlerweile fast, dass der Ballack-Deal eine reine Medien-Inszenierung war. Der sollte gar nicht spielen, wozu auch bei einem Mittelfeld aus Augusto, Barnetta, Rolfes, Vidal, Sam und Bender?! Der soll auf der Tribüne sitzten, schmollend die Arme verschränken und so die Aufmerksamkeit weg vom Team lenken, damit der Jupp in Ruhe arbeiten kann. Hat ja bisher auch ganz gut geklappt. Musste er nicht mal viel investieren dafür.

Um die Unvorhersehbarkeiten und Überraschungen des dritten Spieltags adäquat fortzuführen, endet dieser Post nun quasi vollkommen aus heiterem Himmel.
Letzte Grüße gehen raus an Richard Sukuta-Pasu, dem ich sein Tor von Herzen gegönnt hätte.  

Freitag, 10. September 2010

Die Bundesliga vor dem dritten Spieltag- Fokus: VfB Stuttgart

Zum Verein
In Stuttgart brodelt es momentan gewaltig. Die ruhigen, bescheidenen Schwaben sind angepisst. Das liegt zum einen am gewaltigen Bahnhofsprojekt Stuttgart 21, aber auch an ihrem VfB. Mit Horst Heldt ist der Architekt der letztjährigen Erfolge von Bord gegangen. Pikanterweise zog es den Rheinländer zu seinem Ziehvater Felix Magath. VfB-Ikone Fredi Bobic soll ihn auf dem Posten des Sportdirektors nun beerben.
Letzte Saison belegte man nach einer furiosen Aufholjagd immerhin noch Platz 6 und konnten sich für die Europa-League qualifizieren. 2009 war man gar Dritter, auch da spielte man eine schwache Vorrunde und startete in der Rückrunde fulminant durch. Schaut man sich den diesjährigen Saisonstart an, scheint das Motto: „Same procedure than every year“ zu bewahrheiten.



Wer kommt, wer geht
Same Khedira, Jens Lehmann, Roberto Hilbert und Aliksander Hleb haben den Verein verlassen. Alle vier waren Leistungsträger, besonders der Verlust von Khedira wiegt schwer. Aber auch Fußball- Methusalem Lehmann wird zumindest sportlich vermisst werden. Der Neu-Madrilene konnte von Neuzugang Christian Gentner (aus Wolfsburg) in den ersten Spielen der Saison noch nicht gleichwertig ersetzt werden. Des Weiteren ist Talent Rudy kurz vor Transferschluss für 4 Millionen nach Hoffenheim verkauft worden. Neben Gentner wechselte Dauerreservist Philipp Degen (aus Liverpool), der eher unbekannte Offensiv-Allrounder Johan Audel und für den Sturm Martin Harnik an den Neckar. Der Saisonstart der Canstätter verlief holprig, sodass der neue Teammanager Fredi Bobic noch schnell einen alternden Weltmeister von 2006 aus dem Hut zauberte. Mauro Camoranesi soll auf der rechten Außenbahn für mehr Schwung sorgen, ob der 33-jährige, dessen Leistungen in den letzten zwei Jahren weniger ansprechend waren, noch dazu im Stande ist muss bezweifelt werden.

Stärken & Schwächen
In der Rückrunde präsentierte sich der VfB sehr spielstark. Stürmerstar Cacau traf wie er wollte, Khedira ordnete mit Träsch im zentralen Mittelfeld das Spiel. Auch Marica konnte endlich die Erwartungen erfüllen und hatte eine gute Rückserie. Besonders das Konterspiel war sehr ansehnlich und dürfte durch die Sommerpause nicht völlig verlernt worden sein. Kapitän und Abwehrchef Delpierre hält die Abwehr zusammen, ist „Herr der Lüfte“ und verfügt über ein ausgezeichnetes Stellungsspiel. Wenn Delpierre (wie aktuell) allerdings ausfällt, mutiert die Abwehr zu einem planlosen Durcheinander. Der (angeblich) talentierte Niedermeier ist noch kein gleichwertiger Ersatz. WM-Tourist Serdar Tasci ist von seiner Bestform auch noch ein gutes Stück entfernt. Spielerisch waren die ersten Wochen der neuen Saison recht mau, Indiz dafür sind die klaren Niederlagen gegen Mainz und Dortmund. Sollte der junge Timo Gebhardt lernen den Ball auch mal abzuspielen und Mauro Camoranesi seinen x.ten Frühling erleben dürfte das spielerisch wieder was werden!

Trainer & Umfeld
Der ruhige Schweizer Christian Groß ist ein ausgewiesener Fachmann auf der Trainerbank, wahrscheinlich genau der richtige Mann für dieses junge Team. Für den VfB kann man nur hoffen, dass Bobic ein besserer Sportmanager als Rapper ist. In beiden Bereichen hat er nicht viel vorzuweisen, die Posse um Mladen Petric wirft nicht das beste Licht auf ihn. Eventuell wären spontane Freestyles in der Kabine jedoch äußerst förderlich für innere Betriebsklima. Allerdings wird er am Camoranesi-Deal gemessen, man wird sehen ob das nun ein unüberlegter Schnellschuss oder doch ein Transfer mit Sachverstand war.

Prognose
Wie die Schwaben so sind, geizen sie mit Transferausgaben. Der Transferüberschuss (14 Millionen für Khedira, 4 für Rudy) wurde in nur geringem Maße reinvestiert. Vermutlich möchte man mit dem Gewinn ein paar Altlasten abtragen. In den letzten Jahren hat der VfB aus seinen Möglichkeiten oft das Optimum rausgeholt und ist zum Dauergast in den europäischen Wettbewerben geworden. Das Ziel Europa-League zu erreichen wird schwer zu erreichen sein, da die Konkurrenz mächtig aufgerüstet hat. Aber auch schon letzte Saison haben sie alle Kritiker verstummen lassen und nach einer fürchterlichen Vorrunde (Platz 15) noch Platz 6 geschafft. Die Mannschaft ist eine Wundertüte, Platz 5 ist drin, aber sogar auch der Abstiegskampf!

Mittwoch, 8. September 2010

Analyse: Meenz 05



Zum Verein
Das Profil des Mainzer Clubs hängt immer auch in hohem Maße vom Cheftrainer ab. Die Ära Klopp ging 2008 zu Ende. Es folgte das Andersen-Intermezzo mit unliebsamem Ausgang. Danach übernahm der vorherige A-Jugend-Meisterschaftstrainer Thomas Tuchel die Zügel und führte den FSV in der vergangenen Saison auf den 9. Tabellenplatz. Mit einem solch guten Abschneiden hätte vorher wohl kaum jemand gerechnet, so dass eine Wiederholung eines einstelligen Tabellenplatzes auch diesmal ein voller Erfolg wäre.


Wer kommt, wer geht
Ein ganz schmerzvoller Abgang ist der des burkinischen Blondschopfes Aristide Bancé. Er schoss in den vergangenen Spielzeiten die meisten Tore für den FSV und war auch als körperlich robuster Ackerer im Sturmzentrum immens wichtig für das Spiel des FSV. Als Ersatz wurde kurzfristig der Däne Morten Rasmussen von Celtic Glasgow mit Kaufoption ausgeliehen. Der 25-Jährige machte durchweg einen guten Eindruck an den ersten beiden Spieltagen und kann bereits zwei Treffer auf seinem Torkonto verbuchen. Ähnlich gut schlug Sami Allagui ein und traf bereits einmal. Zusätzliche Aufwertung der Mainzer Angriffsabteilung könnte die Verpflichtung von Haruna Babangida liefern. Der Nigerianer kommt jedoch aus der Vereinslosigkeit nach Mainz und hat in den vergangenen Jahren wenig geleistet, so dass der FSV für den 27-Jährigen wohl die letzte Chance ist, seiner Karriere doch noch den richtigen Drall zu geben. Der 19-jährige André Schürrle ließ in der vergangenen Saison sein Können aufblitzen und ist sicher auch eine interessante Option für Tuchel im Angriff.
Im Mittelfeld könnte sich die Leihe von Lewis Holtby als wichtigster Coup erweisen. Der 19-Jährige verfügt bereits aus der vergangenen Saison über Bundesligaerfahrung. Vor allem die zweite Saisonhälfte in Bochum ließ das enorme Potential von Holtby erkennen. Die Mainzer profitieren davon, dass Holtby nun bereits an Tempo und Gangart der Ersten Liga gewöhnt ist. Noch mehr wird sich natürlich Schalke 04 nächstes Jahr freuen, wenn der beidfüßige Erkelenzer, wahrscheinlich als kompletter Bundesligaspieler, zurück in den Pott kehrt. Chadli Amri ist für die Mainzer verzichtbar geworden, sodass sein ablösefreier Wechsel nach Lautern für ihn persönlich und für Mainz 05 Sinn macht.
In der Abwehr wanderte Tim Hoogland Richtung Gelsenkirchen ab. Mit Spartak Moskau konnten sich die Mainzer auf ein weiteres Jahr Leihe für Malik Fathi einigen, der wohl abermals als Stammkraft die linke Seite beackern wird. Ablösefrei aus Bochum kam mit Christian Fuchs der österreichische Roberto Carlos.
Auf der Torwartposition reagierte man nach der Müller-Verletzung, indem mit Martin Pieckenhagen ein alter Bekannter den Weg aus Käseland zurück in die Bundesliga fand.

Stärken & Schwächen

Als stärkster Faktor bei den 05ern kann sicher der Trainer gelten. Was Tuchel tut, hat Hand und Fuß und er wird die Mainzer sicher auch diese Saison zu einem starken Team formen. Alle Mannschaftsteile sind ausgeglichen relativ gut besetzt. Mit Aristide Bancé ist natürlich eine wichtige Stütze des Teams weggebrochen. Ob der Weggang des Burkiners kompensiert werden kann, hängt zum größten Teil davon ab, wie gut Allagui in der Ersten Bundesliga zurecht kommt und ob Rasmussen den guten ersten Eindruck nachhaltig untermauern kann.  


Trainer & Umfeld
Zum Trainer wurde bereits Einiges gesagt. Das weitere Umfeld in Mainz ist der Mannschaft stets wohlgesonnen und die gesamte Stadt steht hinter dem Verein. Großes anliegendes Projekt ist die Coface-Arena, das neue Stadion, welches wohl für die Saison 2011/12 einsatzbereit sein wird. Diese Saison wird aber noch vollständig im traditionsreichen Bruchwegstadion absolviert werden. 


Prognose
Aller Voraussicht nach springt etwas Ähnliches wie vergangene Saison für die Mainzer heraus. Mit dem Abstieg werden die 05er nix zu tun haben, mit den internationalen Rängen wohl ebenso wenig. Ein Platz im gesicherten Mittelfeld wird es sein für 05 – darüber wird sich niemand beschweren.

Freitag, 3. September 2010

Weltklasse! Basler an der Torwand!

Sonntag, 29. August 2010

Kopfballtraining mit Jessica Kastrop

Die nicht unbedingt allseits beliebte Sky-Moderatorin stoppt eine Flanke per Hinterdeetz. Fredi Bobic erschrickt dabei ein wenig.

Montag, 23. August 2010

Analyse: Borussia Dortmund


Der Verein
Was ist Schwarz-Gelb, denkt von sich selbst, es sei das Beste, was Deutschland passieren könne und hat eine stinkende Anhängerschaft? – Die Bundesregierung.
Puh, nochmal Glück gehabt dass die kein Fußball spielen! Die Borussia aus Dortmund dagegen schon. Nachdem man die High Roller Niebaum/Meier 2005 entsorgt hat, blieben etwa €100 Mio. Schulden und die Erinnerung an erfolgreiche Zeiten. Für den Verein mit dem höchsten Zuschauerschnitt Europas (~77.000 letze Saison) eine entbehrungsreiche Phase. Mit der gelungenen Euroleague-Qualifikation für diese Spielzeit ist man zwar nicht da, wo man sich gerne sähe, aber das Licht am Tunnelende leuchtet doch schon erheblich heller.   

Wer kommt, wer geht
Dortmund hat sich zwar nicht umfassend, dafür aber gezielt verstärkt: Zunächst einmal hat man den tapfer rackernden, aber ungefährlichen Valdez aus dem Kader komplimentiert und dafür 3 aussichtsreiche Offensivkräfte geholt. Lewandowski für den Sturm, Kagawa fürs Mittelfeld und den 18jährigen Mario Götze für irgendwie dazwischen. Dabei darf man auf die letzten beiden enorm gespannt sein. Kagawa war während der Vorbereitung und beim Euroleague-Auftakt der auffälligste Akteur und schickt sich an, bald als Synonym für das Wort „Schnäppchen“ verwendet zu werden. Götze kommt aus der eigenen Jugend und soll hierzulande das größte Sturmtalent seiner Altersklasse sein. Man munkelt, sogar der Bundesjogi habe schon ein Auge auf ihn geworfen.
Ohne Komplimente getrennt hat man sich zudem noch vom alternden Tinga und arbeitet zur Zeit am Abschied von Tamas Hajnal und Florian Kringe. Was letzterem nicht gelungen ist, soll Lukasz Piszczek (hier wird eine schnellstmögliche Teilnahme am Spitznamen-Seminar seines Landsmanns „Kuba“ nahegelegt) verrichten: Die Verkörperung einer einwechselbaren Alternative für die Außenverteidigerposition.

Stärken & Schwächen
Die Borussia hat einen aussichtsreichen Kader, dem allerdings seine Jugend zum Verhängnis werden könnte. Hummels & Subotic sind Innenverteidiger der neuen Generation und bringen neben Technik und Spielverständnis auch eine gehörige Portion Torgefährlichkeit mit. Nuri Sahin hat letzte Saison überragend das Mittelfeld geordnet – und das mit gerade einmal 20(!) Jahren. Neben ihm könnte Kehl agieren – was aber angesichts dessen Verletzungsleidenschaft eher unwahrscheinlich ist. Und für die Kreativabteilung sind vorerst „Kuba“, Kagawa, Zidan und Kevin Großkreutz (von Kathrin Müller-Hodenstein* übrigens auch liebevoll „Großkopf“ genannt) zuständig. Vorne netzt dann der nimmersatte Barrios ein.
Vom Potential her klingt das alles, wie gesagt, vielversprechend, kann aber angesichts der Jugend zu Problemen mit der Konstanz und Unerfahrenheit im Umgang mit Drucksituationen führen.

Trainer & Umfeld
Dass der Fernseh-Sympathikus Jürgen Klopp etwas von Fußball und Didaktik versteht, durfte die geneigte WM-Zuseherin anno 2006 erfahren. Seit 2008 wissen das auch die Dortmunder Fans. Im ersten Jahr noch knapp am internationalen Geschäft vorbeigeschrammt, darf er nun aus den entlegensten Winkeln Europas sein freundlich-debiles Grinsen in die Kameras pressen. Vorerst nur an ausgewiesenen Donnerstagen, aber immerhin. Die 76.500 Zuhause gebliebenen Fans wird’s freuen.  Denn so lässt es sich mit Sicherheit leichter vergessen, dass die sportliche Leitung in Dortmund in den Händen eines Mannes liegt, der von allen nur „Susi“ gerufen wird.

Prognose
Ich habe die Dortmunder für diese Spielzeit als Überraschungskandidaten auf dem Zettel. Der Trainer scheint sowohl mit der Mannschaft, als auch mit den Fans einen guten Umgang gefunden zu haben, der es ihm erlaubt, die Erwartungshaltung soweit zu dämpfen , dass er in Ruhe arbeiten kann. Es müsste schon allerhand schieflaufen, damit von den Tribünen „Trainer raus“-Rufe erschallen. Sollte dazu der Kader weitgehend von Verletzungen verschont bleiben, kann ich mir sogar einen Ausrutscher unter die ersten Drei vorstellen. Ansonsten ist Platz 6 ein realistisches und machbares Ziel.  

 








*wird, für den Fall, dass sie in Zukunft je wieder erwähnt wird, nur noch mit KMH betitelt

Freitag, 20. August 2010

Analyse: Eintracht Frankfurt


Der Verein
Ach ja, die Eintracht. Dort beheimatet, wo Bulle und Bär sich Gute Nacht sagen, hat die sogenannte Diva einen ereignisreichen Weg hinter sich gebracht. Zu Beginn der 90er noch ein Jemand, dann lange Jahre ein Niemand und heute wenigstens wieder ein Irgendwer. Nachdem man die letzten Jahre häufig um den Klassenerhalt gespielt hat, konnte sich die Eintracht in der letzten Saison im gesicherten Bundesligamittelfeld etablieren. Zumindest scheint es so.

Wer kommt, wer geht
Was richtig Spektakuläres war bei der Eintracht in dieser Transferperiode nicht dabei. Der Kapitän Christoph Spycher hat die Frankfurter Richtung Bern verlassen, für seine Position hat man den Griechen Tzavellas geholt. Markus Pröll hat dem Club auch den Rücken gekehrt. Nach einem 7 Jahre währenden Kampf gegen den Methusalem Nikolov um den Platz im Tor sucht er wohl die berühmte „neue Herausforderung“. Ob diese im fußballerischen Bereich liegt, lies er allerdings offen. Liberopoulus verabschiedet sich ebenfalls, aber keine Sorge: für den Ouzo-Nachschub ist gesorgt - Theofanis Gekas sagt „Hellas“. Und schließlich geht noch Selim Teber. Seine Lücke soll der gehypte Sebastian Rode stopfen, ein 19jähriger Neuzugang von den Nachbarn aus Offenbach. A propos Neuzugang, als solchen kann man wohl getrost auch Ioannis Amanatidis einstufen. Nachdem sein Vorsprechen für eine Rolle bei den Passionsspielen in Oberammergau nicht geglückt ist, will er es doch nochmal mit dem Fußball versuchen.

Stärken & Schwächen
Hinten ist Frankfurt ganz solide besetzt. Der filigrane Feingeist Maik Franz dirigiert nach einem Jahr schon lautstark herum – alleine beim Hören seiner Stimme dreht so mancher Stürmer schon verschüchtert ab. Im Mittelfeld sorgen Ochs und Köhler für Stabilität (wobei ich mich schon lange frage, wie Köhler es schafft, neben dem Fußball sein Musiklabel ‚ersguterjunge‘, die zahlreichen PR-Auftritte bei Maischberger, Raab, the Dome, das Drehen eines Films, usw. unter einen Hut zu bringen), während Caio, Meier, Korkmaz und ab jetzt vielleicht auch Rode nach vorne Dampf machen. Schlecht ist das nicht, aber besser als Mittelmaß leider auch nicht.
Vorne drückt dafür ein wenig der Schuh. Weder Altintop, noch Fenin haben so eingeschlagen, wie man es sich erhofft hat. Dass Gekas noch einmal mehr als 7 Tore in einer Saison macht, bezweifle ich persönlich ja stark und bei Amanatidis muss man mittlerweile befürchten, dass er bei seinen Einsätzen nur noch mit Holzkreuz auf dem Rücken aufläuft.

Trainer & Umfeld
Michael Skibbe hat bisher einen guten Job gemacht. Nach dem grottigen Gekicke unter Vorgänger Funkel spielt die Eintracht jetzt zuweilen ansehnlich nach vorne. Und trotz einiger verbaler Kabbeleien mit dem Vorstandsvorsitzenden Bruchhagen ist das Verhältnis im Großen und Ganzen in Ordnung.
Etwas problematisch könnte es mit der Erwartungshaltung der Anhänger werden, denn die sehen sich zu Teilen jetzt schon auf einem Tabellenplatz, der zum internationalen Spielbetrieb berechtigt. Wenn am Ende dann nur Platz 9 rausspringt, kann das leicht zu Verstimmungen führen. Mehr …

Prognose
… ist für die Eintracht aber leider nicht drin. Der Kader ist gut genug, um sich von den Abstiegsplätzen fernzuhalten, reicht aber nicht aus um 34 Spieltage lang oben mitzumischen. Ich sage am Ende wird’s Platz 9 bis 12.  


Analyse: FC Bayern


Zum Verein
Wer liebt ihn nicht, den FC Hollywood. Was wäre der deutsche Fußball ohne den Rekordmeister? Was wäre die Medienlandschaft Deutschlands ohne die glorreichen Sprüche eines Uli Hoeneß? Wie dem hier, mit dem der Bayern-Präse das besondere Verhältnis zu seinem Verein auf den Punkt bringt: „Ein Uli Hoeneß lässt den FC Bayern nie im Stich. Und wenn irgendein Problem entsteht, würde ich zur Not hier sogar ein halbes Jahr den Platzwart machen.“ Oder die durch charakteristisch-süffisante Lachpausen unterlegten Kommentare des Kaisers? Was wäre die deutsche Esskultur ohne den just bei McDonald’s eingeführten „Nürnburger“ aus Hoeneß‘ Wurstfabrik? Dennis hat den Wurst-Burger-Zwitter jüngst degustiert und war hellauf begeistert. Sicher, dass dieses tolle Ding einen spektakulären Siegeszug um die Welt herum antreten wird. Oder was wäre die letzte Bundesligasaison ohne die märchenhafte Wandlung des grimmig-unsympathischen Holländers Louis van Gaal zum von den Massen geliebten Feierbiest? Keine Frage, der FC Bayern macht, auch wenn man kein Fan ist, einfach Spaß und ist für die deutsche Fußball- und Medienwelt unersetzlich.

Wer kommt, wer geht
Hoeneß brachte die grobe Richtlinie der Transferpolitik der Bayern einmal folgendermaßen auf den Punkt: "Die Wahnsinnspreise zahlen wir sicherlich nicht, aber die mittleren Wahnsinnspreise könnte ich mir schon vorstellen." Nach großen Investitionen letztes Jahr, wurden diesmal nicht einmal die kleinen Wahnsinnspreise gezahlt. Stattdessen lautete die Devise wie so häufig nach einer Meisterschaftssaison bei den Münchnern: Konsolidieren bzw. warum was tun, wenn die letzte Saison doch erfolgreich war? Einzig Toni Kroos ist ein Zugang mit Stammkraftpotenzial, der nach einer brillanten Spielzeit bei Bayer Leverkusen wieder zu den Bayern zurückkehren durfte. Hinzu kommen die ebenfalls nach Leihgeschäft heimgekehrten, aber wohl für die zweite Reihe gedachten, Breno und Andreas Ottl.
Und bei den Abgängen? Da gibt's nichts Schmerzhaftes zu vermelden. Ganz im Gegenteil. Der Abwanderung von Christian Lell weint wohl niemand in München auch nur eine Träne nach. Zumal man sich mit der Abschiebung gar einen Skandal vom Hals gehalten hat. Soll sich doch der doppelt coole Michi Ballack auf noch unbekannte Art und Weise in das Lellsche Privatleben eingemischt haben. Der noch unter Klinsmann als Stammkraft agierende Außenverteidiger dazu: “Meine privaten Probleme hatten auch mit Michael Ballack zu tun. Darüber wird ja schon getuschelt. Michael hat seinen Anteil daran, dass es mir monatelang schwer fiel, wieder in die Spur zu finden. Sein Verhalten ist mit nichts zu entschuldigen. Michael hat den Bogen überspannt und hat sich alles andere als vorbildlich verhalten.” Gemunkelt wird, dass sich Ballack bei Ex-Chelsea-Kollege John Terry zwar (glücklicherweise) nichts auf dem Fußballplatz, dafür aber Einiges im zwischenmenschlichen Bereich abgeschaut und in fremden Gewässern gefischt hat. Aber das Thema gehört jetzt nach Berlin bzw. Leverkusen. Wieder in Medias Res. Nun gut, viel gibt’s bei den Transfers aber eigentlich auch nicht mehr zu sagen. Ach ja, Luca Toni ist nach der Leihe vergangene Saison nun auch offiziell abwandert. Zurück in Bella Italia schraubt er kommende Saison für den FC Genua an seinem Ohr.

Stärken & Schwächen
Bayern hat alle Leistungsträger aus der bombastischen vergangenen Saison gehalten. Der FCB hat mit Toni Kroos einen der stärksten jungen deutschen Spieler dazu bekommen. Das Double wurde letzte Saison geholt und das Champions League-Finale erreicht. Demnach gibt es vorwiegend einen Faktor, der die Bayerndominanz brechen kann. Ein verletzter oder schlecht spielender Arjen Robben. Da Letzteres eher unwahrscheinlich ist, ist die Verletzungsfrage gerade sogar aktuell. Die ersten Spiele müssen die Bayern ohne den Holländer auskommen. Um die Verletzungsanfälligkeit des Flügelspielers wusste man beim FC Bayern bereits vor der Verpflichtung, aber dieses Risiko sind die Verantwortlichen, vor dem Hintergrund der Robben-Leistungen vergangene Saison, völlig zu Recht eingegangen. Die Chancen, den Ausfall zu kompensieren, stehen diese Saison gut wie nie. Mit Kroos und Hamit Altintop lechzen gleich zwei starke Spieler nach ihrer Startelf-Chance auf der rechten Seite. Vielleicht könnte Kroos, als angenehme Abwechslung zum Links spielenden Franck Ribéry dann mit seinen Zuckerpässen und präzisen Flanken sogar mal dafür sorgen, dass der etatmäßige Mittelstürmer etwas besser ins Bayernspiel eingebunden wird, als dies in der Vorsaison der Fall war. Mit Olic, Klose und Gomez verfügt man in München über drei vom Potential her großartige Stürmer. Auch Thomas Müller könnte durchaus im Laufe der Saison als Mittelstürmer eingesetzt werden, wenn Ribéry, Kroos und Robben dann irgendwann gemeinsam auf dem Platz stehen. Wer sich letztlich durchsetzt, im Kampf um den Platz im Sturmzentrum, ist schwer zu sagen. Olic wird sich in jedem Fall wieder extrem reinhängen und hat bei van Gaal aufgrund der Vorsaison einen gewissen Bonus.

Trainer & Umfeld
Was Louis van Gaal in der letzten Saison nach der durch Klinsmann verkorksten und Heynckes doch noch geretteten Vorsaison erreicht hat, wird ihm so schnell sicherlich keiner vergessen. Der gladiolenbesessene Erfolgscoach hat es auch vermocht, der Jugend erfolgreich eine Chance zu geben, was er diese Saison mit dem frühen Bekenntnis zu Diego Contento als linkem Verteidiger fortzusetzen scheint. Man darf gespannt sein, wen er diese Saison aus dem Hut zaubert. Van Gaal sitzt selbstverständlich fest im Sattel.
Ein leichter aus der Ruhe zu bringendes Umfeld als in München ist schwer vorzustellen. Aber das macht eigentlich allen Beteiligten einen Riesenspaß.


Prognose
Der FCB ist der absolute Meisterschaftsfavorit. Man ist noch stärker aufgestellt als in der vergangenen Saison. Die Abwehr scheint wieder die einzige potentielle Schwachstelle zu sein. Bleibt zu sehen, wie Diego Contento in die Rolle des Linksverteidigers reinwächst und wer sich in der Innenverteidigung durchsetzt. Auch ein Robben-Ausfall kann diese Saison relativ gut wett gemacht werden, so dass eigentlich nichts gegen ein Double und gar ein weiteres Champions League-Finale spricht. Für das internationale Parkett ist aber vor allem in der fortgeschrittenen Phase des Wettbewerbs ein fitter Arjen Robben von Nöten. Insgesamt steht uns wieder eine Saison bevor, in der die Bayern die Bundesliga weitestgehend dominieren werden. Und wenn die spielerische Überlegenheit phasenweise nicht erdrückend ist, kommen halt die Dusel-Bayern zurück.

Donnerstag, 19. August 2010

Analyse: Schalke 04

Der Verein
„Wir schießen so wenig Tore, vielleicht heißen wir deshalb auch die Knappen“, sinnierte der Gelsenkirchener Wortspielakrobat Manuel Neuer einst vor sich hin und gewann damit die Auszeichnung zum Fußballspruch des Jahres 2009. Möglich. Vielleicht aber auch deshalb, weil sie wie kein Zweiter das Talent besitzen, immer dann an der Ziellinie vorbeizuschrammen, wenn sie schon fast wie der sichere Sieger aussehen.
Auf Schalke sind die Ambitionen groß. So hat man in den letzten Jahren viele Spieler geholt, deren Verträge man nach diesen Ambitionen ausgerichtet hat, und dabei großspurig ignoriert, dass sich bei den übrigen 17 Bundesligisten dagegen die Bezahlung nach der erbrachten Leistung richtet. Überraschenderweise musste man dann zu Beginn der vergangenen Saison „Liquiditätsprobleme“ einräumen. Ups. Egal. Die Erwartungen an den (nach bewährtem Muster mit geschätzten 5 Mio. € Nettogehalt verpflichteten) Trainermessias Magath sind überschaubar und unzweideutig: die Meisterschaft!

Wer kommt, wer geht
Ein wenig ausgemistet hat Magath schon: Die Anzahl der Abgänge beläuft sich laut transfermarkt.de auf 23 Stück. Exakt die Zahl, die sich van Gaal für diese Saison als optimale Kadergröße vorstellt. Darunter einige Leistungsträger der vergangenen Spielzeit wie Kuranyi, Westermann, Bordon, Rafinha.
Dafür, dass die Geschassten angeblich zu teuer gewesen wären, hat sich der Coach nicht den günstigsten Ersatz geholt. Sowohl Raul als auch Metzelder werden nicht gerade für nen Appel und n‘ Ei auflaufen. Der Rest sollte ganz erschwinglich sein: Hoogland, Jendrisek, Uchida und Escudero. Die ersten beiden haben mit Sicherheit Bundesligaformat, wobei die Konkurrenz für Jendrisek groß ist; Uchida konnte in der Vorbereitung überzeugen und Escudero hat sich zumindest in der ersten Pokalrunde keinen nennenswerten Patzer geleistet.
Mindestens eine große Verpflichtung für die Offensive soll laut Magath aber noch kommen. Da heute über die Ticker läuft, dass der Wolfsburg – Diego Deal geplatzt ist, wird diese wohl nicht „Misimovic“ heißen. Es bleibt abzuwarten, wen Magath und Heldt da noch aus dem Hut zaubern.


Stärken & Schwächen
Das Tor ist mit Neuer erstklassig besetzt, in der Innenverteidigung geht Magath auf Risiko. Höwedes und Metzelder sind noch nicht eingespielt, dazu datieren Metzes letzte vorzeigbare Leistungen von der WM 2006. Das defensive Mittelfeld ist mit Jones, Kluge, und ab jetzt wohl auch Rakitic recht gut aufgestellt, dahinter lauert noch Matip. Über die Außen sollen Farfan, Hao und eventuell Baumjohann Druck machen. Raul übernimmt die Sturmspitze und wird flankiert von Edu, oder dem noch unbekannten Neuzugang. Eine entscheidende Frage wird sein, auf welchem Niveau Raul agiert sobald der Ligabetrieb läuft. Der Ligacup war verheißungsvoll, aber keine Messlatte für den Bundes- und Champions League-Wettbewerb.
Der erste Anzug ist definitiv konkurrenzfähig, hinzu kommt, dass Magath immer dafür gut ist, einen jungen Nachwuchsspieler aus dem Hut zu zaubern, der auf Anhieb überzeugen kann (siehe Schmitz, Moritz, Matip). Das Wehklagen über einen fehlenden Offensivakteur erscheint mir eher ein wenig Säbelrasseln im Hinblick auf die Champions League zu sein. Denn das magathsche Spielsystem der letzten Jahre war immer eher auf überfallartiges Kontern angelegt, als auf viel Ballbesitz und eigene Spielgestaltung.


Trainer & Umfeld
Der Name Magath ist mittlerweile zu einer Marke geworden, die sich dadurch auszeichnet, das Maximum aus einem Team zu rauszuholen. Dazu hat er sich im Managementbereich mit seinem alten Spezi Horst Heldt verstärkt, der die Augen nach möglichen Verstärkungen offenhalten soll.
Die Schalker Fans erwarten dieses Jahr nichts geringeres als den Titel, was die Gefahr birgt, dass es sehr schnell sehr unruhig werden könnte, wenn es nicht läuft, wie gewünscht. Alle, im Verein und drum herum, scharren schon mit den Hufen. Das wird ein konzentriertes und abgeschottetes Arbeiten, wie Magath es in Wolfsburg praktizieren konnte, nicht möglich machen.


Prognose
Schalke ist Titelkandidat. Das liegt zu 40% am Team, zu 60% am Trainer. Am Ende reicht es aber leider nur höchstens zu Platz 2.

Analyse: 1. FC Nürnberg


Zum Verein
Rostbratwurst oder Christkindlmarkt sind sicherlich überregional bekanntere und vor allem renommiertere Nürnberger Produkte als der örtliche Fußballverein. Verblüffend, dass der „Club“ bis 1987, als ihn der große FC Bayern ablöste, mit neun Titelgewinnen gar deutscher Rekordmeister war. Davon weiß heute kaum noch einer etwas. In der jüngeren Vergangenheit präsentierten sich die Franken schwach: 2007/08 standen sie Ende der Saison auf dem 16. Platz und stiegen ab. Dann 2008/09 der Wiederaufstieg. Vergangene Saison abermals Platz Numero 16 . Diesmal durfte statt eines direkten Abstiegs die Relegation gegen den FC Augsburg gespielt werden. Nürnberg gewann – und spielt diese Saison wieder in der höchsten deutschen Spielklasse mit.


Wer kommt, wer geht
Nürnberg stellt den Kader wieder nach ähnlichen Leitsätzen zusammen wie vergangene Saison. Die Devise lautet, Spieler mit Perspektive, die in ihren Vereinen keine Einsatzzeiten bekommen, auszuleihen. Die letzte Saison temporär akquirierten Mickaël Tavares, Eric-Maxim Choupo-Moting, Andreas Ottl und Breno verließen den FCN wieder. Stattdessen leiht man sich nun die Talente Mehmet Ekici von Bayern München und Julian Schieber vom VfB Stuttgart. Der Ösi mit pakistanischen Wurzeln und dem wohlklingenden Namen Rubin Rafael Okotie verstärkt den Nürnberger Kader zusätzlich und hat einen Vertrag bis 2013 erhalten. Nachdem er für Austria Wien in der Saison 2008/09 14 Treffer markierte, hatte der beidfüßige Okotie von Juli 2009 bis April 2010 mit einem Knorpelschaden im Knie zu kämpfen. Im DfB-Pokalspiel gegen die Trierer Eintracht konnte er wegen Trainingsrückstands noch nicht mitwirken. Mehr oder weniger mitgewirkt, hat dagegen der belgische Haudegen Timmy Simons, der ablösefrei aus Eindhoven geholt wurde. Spielerisch ist das sicher eine Schwächung im Vergleich zu Andreas Ottl auf der Sechser-Position. In Trier fehlte Simons jegliche Bindung zum Spiel (wie auch insgesamt dem Nürnberger Mittelfeld). Per Nilsson kam von der TSG und soll an der Seite von Andreas Wolf die Abwehr stabilisieren. In Hoffenheim kam der Schwede jedoch wenig zum Zug, schwierig zu sagen, ob er die erhoffte Verstärkung ist oder im Laufe der Saison von Dominic Maroh verdrängt wird.


Stärken & Schwächen
Stärken? Schwierig, welche auszumachen. Man kann in Mittelfranken nur darauf hoffen, dass die Neuzugänge einschlagen. Ekici ist technisch fein, aber noch jung und ohne Bundesligaerfahrung. Schon ein Unterschied, mal im DfB-Pokal den ein oder anderen Trierischen Rumpelfüßler aussteigen zu lassen oder einen Bundesligaspieler auszutricksen. Bei Okotie ist die Frage, wie er nach der langwierigen Verletzungspause in Tritt kommt und ob er verletzungsfrei bleibt. Julian Schieber hat bei Stuttgart gezeigt, dass er in der Bundesliga mithalten kann. Um dies auch in Nürnberg zu tun, muss er angemessen aus dem Mittelfeld mit Bällen beliefert werden. Da kommt dann der talentierte Deutschtürke Ilkay Gündogan ins Spiel. Von dem Techniker wird das Spiel nach Vorne abhängen. Ob Gündogan das leisten kann, bleibt abzuwarten. Allzu schwierig dürfte es für die neuen Stürmer nicht werden, die Leistungen der jüngeren Vergangenheit von Angelos Charisteas zu toppen. Aber ja, nun doch noch eine richtige Stärke: Rafael Schäfer ist einer der besseren Bundesliga-Torhüter.
Schwächen? Leicht, welche auszumachen. Die Abwehr der Nürnberger ist im Bundesligavergleich äußerst schwach besetzt. Andreas Wolf offenbart Mängel in der Spieleröffnung, Per Nilsson war bei Hoffenheim zwar Kapitän, aber von einem Stammplatz doch so weit entfernt wie Kevin Kuranyi von einem Platz im Nationalteam. Die Schwäche des Mittelfelds wurde schon angesprochen. Eventuell findet ja wirklich Ekici den Weg in die Mannschaft – als Antipode zum hölzernen Simons. Wenn Mike Frantz es schafft, konstanter seine Leistung zu bringen, ist auch er eine spielerische Bereicherung für das Spiel der „Clubberer“. Dies alles ändert nichts daran, dass das Mittelfeld der Franken zu den schwächsten der Liga gehört. Im Angriff können die Nürnberger nur hoffen, dass Bunjaku eine ähnlich gute Saison wie vergangenes Jahr erwischt – ist aber in Anbetracht der vorherigen Spielzeiten des Schweizers eher unwahrscheinlich. Christian Eigler und Isaac Boakye gehören zu den schlechteren Spielern in der Bundesliga und sollten in einer Erstligamannschaft im Normalfall keine Einsatzzeiten bekommen. Eigler gehörte vergangene Saison regelmäßig zum Stammpersonal, was weniger für die Qualität von Eigler, als vielmehr für das miese Niveau im Kader insgesamt spricht.


Trainer & Umfeld
Trainer Dieter Hecking kommt aus einer Stadt, wo es wohl niemanden von außerhalb hinzieht: Castrop-Rauxel. Irgendwie passt es da, dass er ausgerechnet bei einem Verein die Funktion des Übungsleiters ausfüllt, der genauso wenig Glamour versprüht wie die Stadt im Kreis Recklinghausen. Hecking wird es immens schwer haben, sich lange auf der Nürnberger Bank zu halten und ist ein heißer Kandidat für die erste Trainerentlassung. Etwas Druck könnte die geringe Erwartungshaltung nach vielen mageren Jahren von der Mannschaft nehmen: Niemand traut dem FCN mehr zu als den Klassenerhal

Prognose
Der 1.FC Nürnberg ist dieses Jahr ohne Frage eine der schwächsten Mannschaften in der Verlosung und einer der heißesten Abstiegskandidaten. Aufgrund der mangelnden Qualität in der Mannschaft werden es die Nürnberger immens schwer haben, die Klasse zu halten.

Mittwoch, 18. August 2010

Ein kleiner Vorgeschmack... Teil 2

Ein kleiner Vorgeschmack...

Analyse: Werder Bremen

Der Verein
Nicht nur sympathisch sind sie, die grünen und angeblich schlecht riechenden Fischköppe von der Weser, sondern auch noch erfolgreich: 6 Champions League-Teilnahmen aus den vergangenen 7 Spielzeiten stehen zu Buche – da kann auch der Ligaprimus Bayern mit keiner besseren Ausbeute aufwarten. Bemerkenswert ist, dass die Bremer nahezu jährlich mindestens einen ihrer Topspieler abgeben müssen und trotzdem konstant das Niveau wahren. Es scheint, als gelinge es dem Tandem Schaaf/Allofs nahezu mühelos, aus fast jedem hoffnungsvollen Talent einen gefragten Profi von internationalem Format zu machen.


Wer kommt, wer geht
Und rumms! – da ist es perfekt! Sarah Connors Schwager in spe und Teilzeit-Rap-Barde Mesut Özil wechselt zum spanischen Spitzen-, aber Champions League Mittelmaß-Klub Real Madrid. Damit verlieren die Werderaner – mal wieder – ihre Schlüsselpersonalie der letzten Saison. Des Weiteren verlassen auch der teure aber nie angekommene Carlos Alberto, der Fußball-Laiendarsteller Abdennour, Martin Harnik und Peter Niemeyer den Verein.
An Land geholt wurden dafür der fußballerisch einwandfreie, aber charakterlich schwierige Arnautovic und Felix Kroos, der aufgrund der nachgewiesenen Verwandtschaft zu seinem Bruder Toni seitens der Medien ein mittelgroßes Interesse genießt, zunächst aber wohl nur in der 2. Mannschaft auflaufen wird. Die ausgeliehenen Jurica Vranjes und Kevin Schindler kehren auch zurück.


Stärken & Schwächen
Das Klischee, das sich in den letzten Jahren in der kollektiven Wahrnehmung zu Werder Bremen festgesetzt hat, lautet: Nach vorne hui, nach hinten pfui! Beim Blick auf die Torverhältnisstatistiken scheint sich das zu bestätigen, ist aber nur die halbe Wahrheit. Mit Tim Wiese haben die Hansestädter einen absoluten Topmann zwischen den Pfosten. Er ist in den letzten 2 Jahren deutlich gereift und hat die Mätzchen früherer Tage ad acta gelegt. Mertesacker und Naldo bilden die wahrscheinlich beste Innenverteidigung der Liga. Nur auf den Außen gibt es seit Jahren hartnäckige Probleme. Ein gewisser Clemens Fritz soll z.B. mal deutscher Nationalspieler gewesen sein, aber vermutlich entspringt dieses Gerücht einem billigen Science-Fiction Roman.
Im Mittelfeld senst der Vorzeige-Proletarier Totti Frings immer noch alles um, was nicht schnell genug flüchten kann. Diese Methode verspricht auch in der kommenden Saison wieder erfolgreich zu sein. Nach vorne wird es aber spannend. In Mesut Özil fehlt der offensive Dreh- und Angelpunkt. In weiser Voraussicht hat man bereits letzte Saison Marko Marin verpflichtet. Dass der kleine Tempodribbler, der bisher vorwiegend über die Flügel kam, aber eine Position als Spielgestalter ausfüllen kann, bezweifle ich etwas. Entscheidend wird hier wohl sein, wie schnell Trainer Schaaf es schafft, dem egomanen Arnautovic klarzumachen, welches Verhalten sich für einen Österreicher im Profifußball geziemt.
Im Sturm ist Claudio Pizarro für die Bremer sowas wie die personifizierte Torgarantie. Ein gleichwertiger Partner ist aber nicht in Sicht: Markus Rosenberg hat seine Ungefährlichkeit zur Genüge unter Beweis gestellt, der Uefa-Hugo trägt seinen Spitznamen meistens zurecht, Aaron Hunt schafft es nicht, mal über 2 Monate konstant zu spielen und Sandro Wagner kennt man bisher eher für sein tänzerisches Talent.


Trainer & Umfeld
Thomas Schaaf, der dienstälteste Coach der Liga, sitzt wohl fest im Sattel. Bisher ist es ihm immer irgendwie gelungen, die Verluste zu kompensieren und Jahr für Jahr eine Mannschaft aufs Feld zu führen, die um attraktiven Fußball bemüht ist. Auch wenn mal eine Halbserie misslingt, kann er sich der Rückendeckung des Präsidiums und der meisten Fans sicher sein. Daran wird sich auch diesmal nichts ändern.

Prognose
Bremen wird auch dieses Jahr wieder um die Plätze ums internationale Geschäft mitmischen. Für die ersten drei wird es angesichts der Konkurrenz enorm schwer, daher läuft es wohl auf einen Euroleague-Platz hinaus.

Dienstag, 17. August 2010

Analyse: TSG 1899 Hoffenheim – Deutschlands größter Dorfverein



Der Verein

1899 Hoffenheim, von vielen Fußballfans aufgrund seines schwerreichen Mäzens Dietmar Hopp auch gerne als „Hoppenheim“ verunglimpft bietet seinen Erfolgfans nun schon zum dritten Mal das Abenteuer Fußball-Bundesliga an. Nachdem man vor zwei Saisons gar Herbstmeister wurde, konnte 1899 letzte Saison selten überzeugen. Ein solider Mittelfeldplatz sprang am Ende heraus, zu wenig für die Ansprüche von Hopp und ganz besonders Trainer Ralf Rangnick. Jedoch ist eine neue Nüchternheit im Kraichgau eingekehrt, vom internationalen Geschäft wird offiziell nicht mehr geträumt. Dennoch, ein neues hochmodernes Trainings-Zentrum und Milliardär Hopp in der Hinterhand lassen weiterhin auf eine glanzvolle Zukunft hoffen.



Wer kommt, wer geht

Die Transferperiode verlief bislang relativ ruhig. Man vertraut weiterhin den vielen Talenten im Kader, die bislang eine halbe herausragende, sowie 1 ½ mittelprächtige Saisons gespielt haben. Neuer Stammtorwart wird Tom Starke, der ablösefrei aus Duisburg gekommen ist. Des Weiteren konnte man Top-Talent Peniel Mlapa für 1,5 Millionen vom Zweitligisten 1860 München verpflichten. Rangnick fordert noch weitere Verpflichtungen, jedoch monierte Mäzen Hopp „Immer wenn wir an einen Verein herantreten, explodieren die Ablöseforderungen, das wollen wir nicht bezahlen“. Sebastian Rudy vom VfB Stuttgart soll noch kommen, ansonsten wird wohl bis zum 1. September nicht mehr viel passieren.

Aussortiert wurden dagegen Maicousel, Wellington, Nilsson und Zuculini. Keiner der genannten war in der letzten Saison Leistungsträger und so dürfte man gut gerüstet in die neue Spielzeit gehen. Verzockt hat sich ganz klar Timo Hildebrand. Der ehemalige Nationaltorwart wollte einen deutlich besser dotierten Vertrag, kokettierte mit einem Wechsel zum VfB oder Köln, befindet sich momentan allerdings weiter auf Vereinssuche. Auch ein Wechsel nach England kam bislang nicht zustande, jetzt steht er mit 31 Lenzen vor dem Scherbenhaufen seiner Laufbahn!



Stärken/ Schwächen

Nach wie vor verfügt 1899 über eine hoch veranlagte Truppe. Nationalspieler Andreas Beck (nun Kapitän) bildet die Abwehrkette mit Eichner, Compper und Simunic. Eine solide Reihe, gerade Beck hat noch Steigerungspotenzial. Torwart Starke spielte eine starke Runde in der zweiten Liga, in der Bundesliga konnte er sich bisher noch nicht durchsetzen. Im Mittelfeld läuft alles über Carlos Eduardo. Der Brasilianer spielte träge, einfallslos, unmotiviert. Dabei bringt er alles mit um ein internationaler Top-Spieler zu werden. Hopp und Rangnick können nur hoffen, dass er endlich über einen längeren Zeitaraum sein Potenzial abruft. Vorsah, Gustavo und der wieder genesene Weis sind Kandidaten für die beiden 6er Positionen und lassen Eduardo alle Freiheiten. Im Sturm sind mit Obasi, Ba und Ibisevic drei Top-Stürmer zugegen, die von Eduardo und Salihovic mit Bällen gefüttert werden sollen und an guten Tagen jede Abwehr schwindelig spielen.

In der letzten Saison funktionierte das Kombinationsspiel nicht besonders gut, auch die mangelnde professionelle Einstellung kostete einige Zähler. Viele Spieler offenbaren eine Söldner-Mentalität die nicht gerade förderlich für den Mannschaftszusammenhalt ist.

Außerdem hat Hoffenheim mit Vorsah, Compper und Simunic nur drei Bundesligataugliche Innenverteidiger im Kader, bei eventuellen Verletzungen wird es hinten reichlich dünn. Generell ist es unwahrscheinlich, dass Reservisten wie Ibertsberger, Gulde oder Tagoe der Mannschaft weiterhelfen könnten. In der breite ist die Mannschaft also nicht gut aufgestellt.


Trainer & Umfeld

Mit Dietmar Hopp steht und fällt nach wie vor alles. Sympathisch, das der mehrfache Milliardär das Scheckbuch in der Tasche lässt und nach wie vor auf talentierte Spieler setzt. Große Transfers á la Manchester City wären sicherlich möglich, man zeigt sich jedoch recht bescheiden im Badener-Land. Ralf Rangnick hat nach der verkorksten Saison eine weitere Chance erhalten, ein abermaliger Mittelfeldplatz dürfte aber auch seinen Vorstellungen nicht genügen. Manager Schindelmeister ist mittlerweile beurlaubt, so dass Hopp ihm freie Hand lässt.


Prognose

Hoffenheim ist eine Wundertüte. Ruft die Mannschaft ihr Potenzial ab, sind die internationalen Plätze durchaus drin. Das Pokalspiel in Rostock zeigte tolle Ansätze, was allen Verantwortlichen Mut machen sollte. Der ganz große Wurf wird ihnen meiner Meinung nach wieder nicht gelingen, so dass man sich mit einem Platz zwischen 8 und 12 begnügen muss. Das Ziel sich in der Bundesliga zu etablieren wird so sicherlich eingehalten.