Dienstag, 17. August 2010

Analyse: TSG 1899 Hoffenheim – Deutschlands größter Dorfverein



Der Verein

1899 Hoffenheim, von vielen Fußballfans aufgrund seines schwerreichen Mäzens Dietmar Hopp auch gerne als „Hoppenheim“ verunglimpft bietet seinen Erfolgfans nun schon zum dritten Mal das Abenteuer Fußball-Bundesliga an. Nachdem man vor zwei Saisons gar Herbstmeister wurde, konnte 1899 letzte Saison selten überzeugen. Ein solider Mittelfeldplatz sprang am Ende heraus, zu wenig für die Ansprüche von Hopp und ganz besonders Trainer Ralf Rangnick. Jedoch ist eine neue Nüchternheit im Kraichgau eingekehrt, vom internationalen Geschäft wird offiziell nicht mehr geträumt. Dennoch, ein neues hochmodernes Trainings-Zentrum und Milliardär Hopp in der Hinterhand lassen weiterhin auf eine glanzvolle Zukunft hoffen.



Wer kommt, wer geht

Die Transferperiode verlief bislang relativ ruhig. Man vertraut weiterhin den vielen Talenten im Kader, die bislang eine halbe herausragende, sowie 1 ½ mittelprächtige Saisons gespielt haben. Neuer Stammtorwart wird Tom Starke, der ablösefrei aus Duisburg gekommen ist. Des Weiteren konnte man Top-Talent Peniel Mlapa für 1,5 Millionen vom Zweitligisten 1860 München verpflichten. Rangnick fordert noch weitere Verpflichtungen, jedoch monierte Mäzen Hopp „Immer wenn wir an einen Verein herantreten, explodieren die Ablöseforderungen, das wollen wir nicht bezahlen“. Sebastian Rudy vom VfB Stuttgart soll noch kommen, ansonsten wird wohl bis zum 1. September nicht mehr viel passieren.

Aussortiert wurden dagegen Maicousel, Wellington, Nilsson und Zuculini. Keiner der genannten war in der letzten Saison Leistungsträger und so dürfte man gut gerüstet in die neue Spielzeit gehen. Verzockt hat sich ganz klar Timo Hildebrand. Der ehemalige Nationaltorwart wollte einen deutlich besser dotierten Vertrag, kokettierte mit einem Wechsel zum VfB oder Köln, befindet sich momentan allerdings weiter auf Vereinssuche. Auch ein Wechsel nach England kam bislang nicht zustande, jetzt steht er mit 31 Lenzen vor dem Scherbenhaufen seiner Laufbahn!



Stärken/ Schwächen

Nach wie vor verfügt 1899 über eine hoch veranlagte Truppe. Nationalspieler Andreas Beck (nun Kapitän) bildet die Abwehrkette mit Eichner, Compper und Simunic. Eine solide Reihe, gerade Beck hat noch Steigerungspotenzial. Torwart Starke spielte eine starke Runde in der zweiten Liga, in der Bundesliga konnte er sich bisher noch nicht durchsetzen. Im Mittelfeld läuft alles über Carlos Eduardo. Der Brasilianer spielte träge, einfallslos, unmotiviert. Dabei bringt er alles mit um ein internationaler Top-Spieler zu werden. Hopp und Rangnick können nur hoffen, dass er endlich über einen längeren Zeitaraum sein Potenzial abruft. Vorsah, Gustavo und der wieder genesene Weis sind Kandidaten für die beiden 6er Positionen und lassen Eduardo alle Freiheiten. Im Sturm sind mit Obasi, Ba und Ibisevic drei Top-Stürmer zugegen, die von Eduardo und Salihovic mit Bällen gefüttert werden sollen und an guten Tagen jede Abwehr schwindelig spielen.

In der letzten Saison funktionierte das Kombinationsspiel nicht besonders gut, auch die mangelnde professionelle Einstellung kostete einige Zähler. Viele Spieler offenbaren eine Söldner-Mentalität die nicht gerade förderlich für den Mannschaftszusammenhalt ist.

Außerdem hat Hoffenheim mit Vorsah, Compper und Simunic nur drei Bundesligataugliche Innenverteidiger im Kader, bei eventuellen Verletzungen wird es hinten reichlich dünn. Generell ist es unwahrscheinlich, dass Reservisten wie Ibertsberger, Gulde oder Tagoe der Mannschaft weiterhelfen könnten. In der breite ist die Mannschaft also nicht gut aufgestellt.


Trainer & Umfeld

Mit Dietmar Hopp steht und fällt nach wie vor alles. Sympathisch, das der mehrfache Milliardär das Scheckbuch in der Tasche lässt und nach wie vor auf talentierte Spieler setzt. Große Transfers á la Manchester City wären sicherlich möglich, man zeigt sich jedoch recht bescheiden im Badener-Land. Ralf Rangnick hat nach der verkorksten Saison eine weitere Chance erhalten, ein abermaliger Mittelfeldplatz dürfte aber auch seinen Vorstellungen nicht genügen. Manager Schindelmeister ist mittlerweile beurlaubt, so dass Hopp ihm freie Hand lässt.


Prognose

Hoffenheim ist eine Wundertüte. Ruft die Mannschaft ihr Potenzial ab, sind die internationalen Plätze durchaus drin. Das Pokalspiel in Rostock zeigte tolle Ansätze, was allen Verantwortlichen Mut machen sollte. Der ganz große Wurf wird ihnen meiner Meinung nach wieder nicht gelingen, so dass man sich mit einem Platz zwischen 8 und 12 begnügen muss. Das Ziel sich in der Bundesliga zu etablieren wird so sicherlich eingehalten.





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