
Zum Verein
Rostbratwurst oder Christkindlmarkt sind sicherlich überregional bekanntere und vor allem renommiertere Nürnberger Produkte als der örtliche Fußballverein. Verblüffend, dass der „Club“ bis 1987, als ihn der große FC Bayern ablöste, mit neun Titelgewinnen gar deutscher Rekordmeister war. Davon weiß heute kaum noch einer etwas. In der jüngeren Vergangenheit präsentierten sich die Franken schwach: 2007/08 standen sie Ende der Saison auf dem 16. Platz und stiegen ab. Dann 2008/09 der Wiederaufstieg. Vergangene Saison abermals Platz Numero 16 . Diesmal durfte statt eines direkten Abstiegs die Relegation gegen den FC Augsburg gespielt werden. Nürnberg gewann – und spielt diese Saison wieder in der höchsten deutschen Spielklasse mit.
Wer kommt, wer geht
Nürnberg stellt den Kader wieder nach ähnlichen Leitsätzen zusammen wie vergangene Saison. Die Devise lautet, Spieler mit Perspektive, die in ihren Vereinen keine Einsatzzeiten bekommen, auszuleihen. Die letzte Saison temporär akquirierten Mickaël Tavares, Eric-Maxim Choupo-Moting, Andreas Ottl und Breno verließen den FCN wieder. Stattdessen leiht man sich nun die Talente Mehmet Ekici von Bayern München und Julian Schieber vom VfB Stuttgart. Der Ösi mit pakistanischen Wurzeln und dem wohlklingenden Namen Rubin Rafael Okotie verstärkt den Nürnberger Kader zusätzlich und hat einen Vertrag bis 2013 erhalten. Nachdem er für Austria Wien in der Saison 2008/09 14 Treffer markierte, hatte der beidfüßige Okotie von Juli 2009 bis April 2010 mit einem Knorpelschaden im Knie zu kämpfen. Im DfB-Pokalspiel gegen die Trierer Eintracht konnte er wegen Trainingsrückstands noch nicht mitwirken. Mehr oder weniger mitgewirkt, hat dagegen der belgische Haudegen Timmy Simons, der ablösefrei aus Eindhoven geholt wurde. Spielerisch ist das sicher eine Schwächung im Vergleich zu Andreas Ottl auf der Sechser-Position. In Trier fehlte Simons jegliche Bindung zum Spiel (wie auch insgesamt dem Nürnberger Mittelfeld). Per Nilsson kam von der TSG und soll an der Seite von Andreas Wolf die Abwehr stabilisieren. In Hoffenheim kam der Schwede jedoch wenig zum Zug, schwierig zu sagen, ob er die erhoffte Verstärkung ist oder im Laufe der Saison von Dominic Maroh verdrängt wird.
Stärken & Schwächen
Stärken? Schwierig, welche auszumachen. Man kann in Mittelfranken nur darauf hoffen, dass die Neuzugänge einschlagen. Ekici ist technisch fein, aber noch jung und ohne Bundesligaerfahrung. Schon ein Unterschied, mal im DfB-Pokal den ein oder anderen Trierischen Rumpelfüßler aussteigen zu lassen oder einen Bundesligaspieler auszutricksen. Bei Okotie ist die Frage, wie er nach der langwierigen Verletzungspause in Tritt kommt und ob er verletzungsfrei bleibt. Julian Schieber hat bei Stuttgart gezeigt, dass er in der Bundesliga mithalten kann. Um dies auch in Nürnberg zu tun, muss er angemessen aus dem Mittelfeld mit Bällen beliefert werden. Da kommt dann der talentierte Deutschtürke Ilkay Gündogan ins Spiel. Von dem Techniker wird das Spiel nach Vorne abhängen. Ob Gündogan das leisten kann, bleibt abzuwarten. Allzu schwierig dürfte es für die neuen Stürmer nicht werden, die Leistungen der jüngeren Vergangenheit von Angelos Charisteas zu toppen. Aber ja, nun doch noch eine richtige Stärke: Rafael Schäfer ist einer der besseren Bundesliga-Torhüter.
Schwächen? Leicht, welche auszumachen. Die Abwehr der Nürnberger ist im Bundesligavergleich äußerst schwach besetzt. Andreas Wolf offenbart Mängel in der Spieleröffnung, Per Nilsson war bei Hoffenheim zwar Kapitän, aber von einem Stammplatz doch so weit entfernt wie Kevin Kuranyi von einem Platz im Nationalteam. Die Schwäche des Mittelfelds wurde schon angesprochen. Eventuell findet ja wirklich Ekici den Weg in die Mannschaft – als Antipode zum hölzernen Simons. Wenn Mike Frantz es schafft, konstanter seine Leistung zu bringen, ist auch er eine spielerische Bereicherung für das Spiel der „Clubberer“. Dies alles ändert nichts daran, dass das Mittelfeld der Franken zu den schwächsten der Liga gehört. Im Angriff können die Nürnberger nur hoffen, dass Bunjaku eine ähnlich gute Saison wie vergangenes Jahr erwischt – ist aber in Anbetracht der vorherigen Spielzeiten des Schweizers eher unwahrscheinlich. Christian Eigler und Isaac Boakye gehören zu den schlechteren Spielern in der Bundesliga und sollten in einer Erstligamannschaft im Normalfall keine Einsatzzeiten bekommen. Eigler gehörte vergangene Saison regelmäßig zum Stammpersonal, was weniger für die Qualität von Eigler, als vielmehr für das miese Niveau im Kader insgesamt spricht.
Trainer & Umfeld
Trainer Dieter Hecking kommt aus einer Stadt, wo es wohl niemanden von außerhalb hinzieht: Castrop-Rauxel. Irgendwie passt es da, dass er ausgerechnet bei einem Verein die Funktion des Übungsleiters ausfüllt, der genauso wenig Glamour versprüht wie die Stadt im Kreis Recklinghausen. Hecking wird es immens schwer haben, sich lange auf der Nürnberger Bank zu halten und ist ein heißer Kandidat für die erste Trainerentlassung. Etwas Druck könnte die geringe Erwartungshaltung nach vielen mageren Jahren von der Mannschaft nehmen: Niemand traut dem FCN mehr zu als den Klassenerhal
Prognose
Der 1.FC Nürnberg ist dieses Jahr ohne Frage eine der schwächsten Mannschaften in der Verlosung und einer der heißesten Abstiegskandidaten. Aufgrund der mangelnden Qualität in der Mannschaft werden es die Nürnberger immens schwer haben, die Klasse zu halten.
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