
Zum Verein
Nun, nach vier Saisons in der Zweiten Liga, ist der FCK endlich wieder erstklassig. Der Prozess, der zum Wiederaufstieg führte, startete, als Stefan Kuntz vor zwei Jahren begann, als Vorstandsvorsitzender die Strippen zu ziehen und den Pfälzer Club mit landwirtschaftlich verwurzelter Anhängerschaft wieder auf Kurs brachte. Um die glorreichen alten Zeiten heraufzubeschwören, haben findige Köpfe das Wappen nach dem Motto „back to the roots“ umgestaltet. Ob das Schwelgen in Nostalgie auch einen neuen Fritz Walter hervorbringt, werden wir sehen. Der Ösi Erwin Hoffer meldete zumindest jüngst im DFB-Pokal-Spiel gegen Osnabrück Ansprüche auf eine Nachfolge an. Der Zittersieg vom vergangenen Wochenende wird von Seite des Trainers Marco Kurz als wegweisend interpretiert: „So ein Spiel kann eine Initialzündung sein für den Kampf gegen den Abstieg.“ In diesem Satz kommt zugleich zum Ausdruck, worum es für die Teufelstruppe in dieser Saison gehen muss: Mission Klassenerhalt. Mission Impossible?
Wer kommt, wer geht
Die Abgänge der Pfälzer wiegen äußerst schwer: Mit Erik Jendrisek verließ der erfolgreichste Torschütze, mit Sidney Sam der beste Zweitligaspieler der Vorsaison den Verein. Ob diese Abgänge durch die Neuzugänge kompensiert werden können, ist fraglich, auch wenn man sich durch eine kluge Transferpolitik in der Breite verstärken konnte.
Der FCK hat bei den Neuverpflichtungen vor allem Wert auf Erstligaerfahrung gelegt. Diese bringen Chadli Amri, Christian Tiffert, Oliver Kirch, Jan Simunek, in geringerem Umfang auch Jan Morávek und die in der Vorsaison ausgeliehenen Rodnei und Ivo Ilicevic mit. Abgesehen von Tiffert und Simunek konnten jedoch alle bisher in Liga Eins bei ihren Ex-Teams keine bleibenden Duftmarken hinterlassen. Die Hoffnungen darauf, Sidney Sam zu ersetzen, ruhen vor allem auf dem Algerier Chadli Amri. Bei Mainz hat er ab und an sein Können aufblitzen lassen, konstant Leistung gebracht hat er, anders als Sam in der Zweiten Liga, dagegen nicht. Bleibt abzuwarten, ob sich der talentierte Morávek in die Mannschaft spielen kann. Das Potential dazu scheint der tschechische Denker und Lenker zu haben. Mit dem von Energie Cottbus geholten Stiven Rivic ergänzt ein weiterer aussichtsreicher Spieler den Kader. Der 23-jährige Simunek war zwar vergangene Saison bei Wolfsburg weitestgehend Außen vor, hat aber schon seine Erstligatauglichkeit unter Beweis gestellt. Ihm ist zuzutrauen, Rodnei, eine Stütze des Lauterer Teams im Aufstiegsjahr, im Saisonverlauf zu verdrängen. Interessant könnten auch die qualitativ schwierig einzuschätzenden Verpflichtungen von Ilian Micanski, Erwin Hoffer und Leon Jessen werden.
Stärken & Schwächen
Im Tor steht mit Tobias Sippel eines der größten deutschen Torwarttalente. Auch für die Zukunft ist, solange Gerry Ehrmann für die Torwartausbildung bei den Lauterern zuständig bleibt, auf dieser Position beim FCK wohl nichts zu befürchten. Mit Roman Weidenfäller, Tim Wiese, Florian Fromlowitz und eben Tobias Sippel kommen nun vier Stammtorhüter der Bundesliga aus dem Ehrmann-Stall. Wollte man den Bayern einen Rat geben, so doch, dass sie sich die Dienste dieses Gerry Ehrmann für die eigene Torwartarbeit sichern, um ihre Defizite auf dieser Position für die Zukunft zu beheben.
In der Abwehr ist die Innenverteidigung mit Martin Amedick, Rodnei und dem erwähnten Simunek bundesligatauglich besetzt. Bei den Außenverteidigern lässt sich dagegen die Qualität in Frage stellen. Ob Florian Dick und Alexander Bugera in der ersten Liga mithalten können, darf bezweifelt werden. Mit dem 24-jährigen Dänen Leon Jessen wurde jedoch ein aussichtsreicher Kandidat für einen Stammplatz hinter Bugera gestellt.
Im Mittelfeld kann der FCK durch die Neuverpflichtungen nahezu jede Position doppelt besetzen, was für einen starken Konkurrenzkampf spricht, der sich eigentlich nur leistungsfördernd auswirken kann. Zentral für einen erfolgreichen Saisonverlauf wird es sein, wie sich Tiffert und Amri zurechtfinden und ob sich Moravek durchsetzen und in der Mannschaft festspielen kann.
Der Angriff ist die große Unbekannte. Kein Spieler mit Bundesligaerfahrung steht in diesem Mannschaftsteil im Kader der Pfälzer. Eine Einschätzung ist daher sehr schwierig. Mit Jendrisek verließ immerhin der beste Torschütze der letzten Saison den FCK. Srdjan Lakic traf siebenmal, für Adam Nemec standen fünf Treffer zu Buche. Gehofft wird in der Pfalz wohl eher darauf, dass die Neuzugänge Hoffer und vor allem Micanski den Betze zum Brennen bringen.
Trainer & Umfeld
Klugheit bewiesen die Vereinsverantwortlichen bei der Wahl des neuen Hauptsponsors. Mit „Allgäuer Latschenkiefer“ wird die Wahrscheinlichkeit von Muskelverletzungen in der kommenden Saison minimiert. Seit Stefan Kuntz bei den Roten Teufeln die Strippen zieht, werden die Geschäfte auch insgesamt verantwortungsvoll geführt und der ehemalige Polizist macht die unrühmliche Zeit der Jäggi-Regentschaft langsam vergessen. Mit Marco Kurz sitzt ein junger und fähiger Trainer auf der Lauterer Bank, der aufgrund der bisher guten Arbeit sicherlich zunächst fest im Sattel sitzt, selbst wenn die ersten Spiele nicht so erfolgreich verlaufen sollten.
Prognose
Der Klassenerhalt ist durchaus "Mission Possible". Der FCK sollte sich darauf konzentrieren, was er auch in der Aufstiegssaison am besten konnte: Verteidigen. Eine defensivere Grundausrichtung mit schnellen Spielern auf den Flügelpositionen im Mittelfeld und zwei rustikalen Abräumern vor der Abwehr (Jiri Bílek hat schon gezeigt, dass er das kann) scheint die optimale Taktik für den FCK zu sein. Sollte außerdem Micanski oder Hoffer einschlagen, ist der Klassenerhalt durchaus möglich. Mit der Meisterschaft, wie in der Aufstiegssaison 1997/98, werden die Lauterer aber wohl diesmal nichts zu tun haben.
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