Montag, 13. September 2010

Der 3. Spieltag: Expect the unexpected







Mei, was läuft die Liga rund! Da fiebert man wochenlang dem Bundesligastart entgegen, geht im Kopf zig mal das Leistungspotential der einzelnen Klubs durch, ordnet diese entsprechend und erstellt daraus seine fiktive Abschlusstabelle, und dann sowas! Dass die Ergebnisse des ersten Spieltags Zufallsprodukte sind, damit hat man sich ja abgefunden („die Teams kommen aus der Vorbereitung und haben noch keinen Rhythmus gefunden“ – kann man da gerne anfügen, um dem unkundigen Gesindel sein Fachwissen zu demonstrieren). In den zweiten Spieltag startet man schon mit einer Hypothek – entweder man hat etwas gutzumachen (wie Stuttgart, Bremen, Schalke), oder ist euphorisiert vom unerwarteten Sieg (wie Lautern, Pauli und Hannover). Da lässt sich schon tendenziös erahnen, ob die Überraschung dicker ausfällen könnte, als angenommen. Dann hatte man eineinhalb Wochen Länderspielpause in denen der schmollende Michi die Gazetten beherrscht hat, weil er nämlich keine Lust hat, den anderen Jungens beim Spielen zuzuschauen, wenn der Philipp ihn weiter so ärgert und ihm die Sachen wegnimmt, die er aber gerade haben möchte. Gut, dass wir den bibelfesten Jogi haben, der in salomonischer Weisheit ein eindeutiges Urteil fällte und sprach: „Dann seid ihr nun beide Käptns! – oder auch nicht … zumindest nicht so richtig… Mal seh’n wie ich lustig bin. In Zukunft. Vielleicht.“

Ab hier dürfte man sich als professioneller Sportschau-Gucker denken: 4 Pflichtspieltage geschaut, 3 Wochen Betrieb, der Europacup steh vor der Tür – so langsam dürfte sich alles auf Normalpegel einordnen.

Pustekuchen! Dem Blick auf Ergebnisse und Tabelle folgt dieser Tage unmittelbar ein Kontrollgriff zum Kalender: aber nichts da – der 1. April ist auch dieses Jahr nicht in den September verlegt worden. Es stimmt schon alles. Dass Hoffenheim Tabellenführer ist mag man in Erinnerung an den Herbst 2008 noch hinnehmen, aber wer ist denn das Verfolgerfeld?! Mainz, Hannover und Kaiserlautern? Und die 3 Abstiegsplätze belegen Wolfsburg, Schalke und der VfB. Alle Sieglos. Einzig den Stuttgartern traut man hier ein schwäbisch-strategisches Manöver zu (nach dem Motto „Mir sparet d‘ Punkte erscht’amol. Do weisch nie, ob de am End‘ no zahle musch, wenn d’ z‘viel von denne hasch, gell?!“). Von den vermeintlichen Meisterschaftskandidaten schafft es nur Hamburg in Schlagdistanz zur Tabellenspitze. Von denen ist aber hinlänglich bekannt, dass sie zur Rückrunde regelmäßig den Profibetrieb einstellen und dazu ein Trainer auf der Bank sitzt, der nur Halbjahreserfolgsbilanzen aufzuweisen hat – also eigentlich doch wieder kein Kandidat für die Schale. Die Mönchengladbacher wollen allem Anschein nach der grauen Tristesse entfliehen und inszenieren sich als Diva mit Borderline-Syndrom: mal himmelhochjauchzend, mal zu Tode betrübt. Dem fulminanten 6:3 in Leverkusen folgt ein indiskutables 0:4 zu Hause gegen Frankfurt. Nichts gegen Frankfurt, aber alleine in dem Spiel hat Theofanis Gekas zweidrittel seines Torekontingents für diese Saison verbraucht! Noch so eine Partie und die Leute würden glauben, er sei ein Stürmer.
Und im Ligamittelfeld verstecken sich irgendwo Bayern, Bremen und Leverkusen. Wer übrigens beim Spiel Bayern-Bremen erfolgreicher seine Mannschaftsteile verschleiert hat, ist mir noch nicht ganz klar. Bremen hat zumindest relativ gut versteckt, dass sie eigentlich keine Innenverteidigung besitzen – was daran liegen könnte, dass Bayern nur so tat, als hätten sie einen Sturm. Vielleicht hat man sich deshalb an der eigentlich so heiklen Schnittstelle friedfertig neutralisiert. Genützt hat es beiden nichts. Und die Leverkusener? Bei denen glaube ich mittlerweile fast, dass der Ballack-Deal eine reine Medien-Inszenierung war. Der sollte gar nicht spielen, wozu auch bei einem Mittelfeld aus Augusto, Barnetta, Rolfes, Vidal, Sam und Bender?! Der soll auf der Tribüne sitzten, schmollend die Arme verschränken und so die Aufmerksamkeit weg vom Team lenken, damit der Jupp in Ruhe arbeiten kann. Hat ja bisher auch ganz gut geklappt. Musste er nicht mal viel investieren dafür.

Um die Unvorhersehbarkeiten und Überraschungen des dritten Spieltags adäquat fortzuführen, endet dieser Post nun quasi vollkommen aus heiterem Himmel.
Letzte Grüße gehen raus an Richard Sukuta-Pasu, dem ich sein Tor von Herzen gegönnt hätte.  

3 Kommentare:

d-fammler hat gesagt…

Aha, also der Gekas der letzte Saison in Berlin immerhin 6 Tore in einer Halbserie gemacht hat (was bei Hertha fast 1/3 der ganzen Torausbeute der Rückrunde war), sol also in Frankfurt nur für 3 Tore gut sein? Wusste ich auch noch nicht.

andi hat gesagt…

naja, nach meinen Informationen verteilen sich die 6 Tore nicht auf die halbe, sondern auf die gesamte Saison. Aber ich hatte auch nicht damit gerechnet hier auf enthusiastische Gekas-Befürworter zu treffen. Nichts für ungut ;-)

d-fammler hat gesagt…

Wo hier nicht mehr soviel los ist, könnte man sich ja mal ausführlicher über Gekas unterhalten :-)