Die vollzählige drölfmeter-Redaktion war heute zu Gast beim heimischen Pokalschreck Eintracht Trier. Das rustikale Moselstadion bot die optimale Kulisse für den Pokalfight gegen den 1. FC Nürnberg: trist und öde.
Zu Bier, Bratwurst & trierischem Defekt … ääh, Dialekt beäugte man mit Argusaugen die Leistung des Viertligisten gegen den gefühlten Drittligist. Die Eintracht war, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, bemüht, der Club war, sagen wir mal, effizient. Die Franken gaben sich alle Mühe den 3-Klassen-Unterschied zu kaschieren. Andreas Wolf gestaltete sein Aufbauspiel nach dem Motto: Warum zum Mitspieler passen, wenn daneben so viel Freiraum ist?! Juri Judt gönnte sich ein paar Laufduelle ohne Gegenspieler und ohne Ball. Über Marek Mintal munkelt man, er wäre beim Anstoß noch auf dem Platz gestanden, habe dann aber einen fulminanten Houdini-Trick angewendet und ward seither nicht mehr gesehen. Dieser Trick hat offenbar den Neuankömmling Julian Schieber derart begeistert, dass er 60 Minuten lang unaufhörlich damit beschäftigt war, ihn zu kopieren. Aufgrund seiner massigen Statur ist ihm dies zwar nicht immer geglückt, aber die guten Ansätze waren unzweifelhaft vorhanden.
Die Eintracht hatte dieses dilettantische Ablenkungsmanöver allerdings schnell durchschaut und setzte ihrerseits alles daran, den Club mit seinen eigenen Mitteln auszukontern. Statt wie gewohnt auf dem Rasen, lieferte man sich nun ein rasantes Psycho-Duell auf Meta-Ebene: Da wurde beispielsweise ein Innenrist-Pass angedeutet, um den Ball in letzter Sekunde aber doch noch mit dem Schienbein zu spielen – sowas macht es selbst internationalen Spitzenteams nahezu unmöglich, ein systematisches Abwehrverhalten aufzubauen. Dazu produzierte man No-Look-Pässe am laufenden Band: Der eigene Mitspieler wird mit den Augen fixiert, der Ball aber zu einem Gegner außerhalb des Sichtfeldes gespielt, woraufhin dieser meist so verdutzt ist, dass er mit ihm nichts anfangen kann und ihn sofort wieder verliert.
Wie schon angedeutet, war vor allem der arme Juri Judt mit diesem next-Level Mind-Game überfordert und lief ein ums andere Mal ins Leere.
Leider fokussierte sich die Eintracht phasenweise zu stark aufs Irritieren des Gegners und so übersah man in der 15. Spielminute den in den Strafraum eilenden Albert Bunjaku. Der geistig etwas träge Schweizer war vom bisherigen Spiel offensichtlich zu überfordert und nahm den vor ihm hüpfenden Ball in veralteter Manier Vollspann - 1:0.
Die Trierer ließen sich von diesem Spielverderber aber nicht aus dem Konzept bringen und zogen ihren Stil eiskalt durch. Einzig Nico Patschinski fiel aus dem Rahmen und leitete einige altmodisch wirkende Konter ein. Glücklicherweise wussten seine Mitspieler diese Chancen gekonnt zu vereiteln – man schoss oder köpfte lieber den Nürnberger Schlussmann an, anstatt den Ball (wie wohl viele erwartet hatten) an ihm vorbei ins Tor zu hämmern. So blieb man in der psychologisch wichtigen Underdog-Position.
Zum Schluss der Partie ließ die Konzentration auf beiden Seiten merklich nach. Der dauerhafte Regen, das nicht vorhandene Verständnis der Zuschauer für die Komplexität der Spielzüge und das nicht enden-wollende „Allez-alleeeez, allez-alleeeez…“ aus dem Nürnberger Fanblock trugen ihren Teil dazu bei, dass alle Spieler an geistiger Frische einbüßten. So konnte der unkundige Stadionbesucher gegen Ende doch noch ein paar Spielzüge alten Typs beklatschen, sich „Hooouuuhhhh“-rufend die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und den von Ekici (zugegebenermaßen) technisch einwandfreien Treffer zum 2:0 bewundern. Dieser markierte auch den Schlusspunkt in einer ansonsten über weite Strecken spannungsreichen Partie zwischen unserer geliebten Eintracht und den manchmal kopflos wirkenden Franken.
Wir jedenfalls freuen uns auf das nächste Pokaljahr, wenn es wieder heißt: EICH GIEHN DE EINTRACHT KUGGEN, ON DAU?
4 Kommentare:
für 26,90 € nie mehr schlecht gekleidet zur eintracht: http://www.amazon.de/TRIER-ULTRAS-KAPUZEN-JACKE-ANGEBOT/dp/images/B00369NPNG/ref=dp_image_x_0?ie=UTF8&s=sports&img=0&color_name=x
Mensch, da ärgert man sich ja um so mehr, nicht mehr in Trier zu verweilen!! Hätte mir gerne diese Le(e)hrstunde des modernen Fußballs gegönnt!
Macht weiter so!
Find ich richtig quant, das Lied.
wo war denn basler die fiese fletsch?
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